© Dieter Rüchel

Die große Koalition muss nicht die Ausnahme sein

Natürlich werden Union und SPD auch im Wahlkampf sagen, was sie jetzt schon sagen: dass eine große Koalition nur die Ausnahme bleiben dürfe. Dass man in einer anderen Konstellation mehr für das Land erreichen könne. So zu reden fällt Schwarzen wie Roten nicht schwer, denn die über Jahrzehnte gewachsene Rivalität ist durch die große Koalition mitnichten verschwunden, was die Koalitionäre uns wöchentlich vor Augen geführt haben. Allerdings dürfen beide Parteien den schweren Traum einer fortgesetzten großen Koalition auch nicht als das pure Teufelswerk den Wählern verkaufen. Denn erstens müssen sie im Wahlkampf auf die eigenen Erfolge (und damit auf die der Koalition) verweisen. Und zweitens ist es nicht unwahrscheinlich, dass sie doch weiter zusammen regieren müssen, nämlich dann, wenn es zu einer Zweierkoalition aus großem und kleinem Partner nicht reicht. Denn sowohl Grüne als auch die FDP könnten den Sprung in ein vom anderen politischen Lager dominiertes Dreierbündnis verweigern, wenn sie damit ihre Wählerklientel nachhaltig verschreckten. Die aus heutiger Sicht schwächere Volkspartei SPD könnte in der großen Koalition zumindest an der Macht bleiben. Zudem scheinen manchen in Union und SPD die alten Leiden der großen Koalition berechenbarer als die neuen Turbulenzen, die unerprobte Vielfarbenkoalitionen versprechen. Und die Kanzlerin, deren Amtszeit dann mehr wäre als eine Episode, könnte weiter präsidial über den großkoalitionären Wassern schweben. (mwe.)