29. März 2008 Die Diskussion über einen möglichen Boykott der Olympischen Spiele in China hält unvermindert an. EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner drohte Peking mit einem Boykott.
Die Intendantin des WDR, Monika Piel schloss einen Ausstieg der ARD aus der Olympia-Berichterstattung nicht aus. Amnesty International Deutschland sprach sich für eine Untersuchung der Menschenrechtslage in Tibet durch die Vereinten Nationen aus.
Ferrero-Waldner: Umfeld muss olympischen Geist widerspiegeln
Die Olympischen Spiele können nur in einem Umfeld stattfinden, das den olympischen Geist widerspiegelt. Dazu gehört die Respektierung der Menschenrechte, ebenso die uneingeschränkte Meinungs- und Pressefreiheit, sagte EU-Außenkommissarin Ferrero-Waldner der Bild am Sonntag. Wir sollten uns genau anschauen, wie sich Peking in den nächsten Wochen verhält - und dann über Boykottmaßnahmen entscheiden.
Die österreichische EU-Kommissarin forderte, die chinesische Regierung müsse Verhandlungen mit Vertretern des Dalai Lama aufnehmen mit dem Ziel, die Diskriminierung des tibetischen Volkes zu beenden. Die Gewalt gegen friedliche Demonstranten muss ein Ende haben. Ferrero-Waldner erinnerte zugleich an die Verantwortung der Wirtschaft. Unternehmer, die in China tätig sind, sollten in besonderer Weise die Achtung der Menschenrechte einfordern, sagte sie. Man kann Geschäfte nicht von heute auf morgen abdrehen. Aber in einer Situation, wie sie in Tibet herrscht, haben auch Unternehmen eine Verantwortung.
WDR schließt Ausstieg der ARD aus Berichterstattung nicht aus
In der Debatte über einen Boykott schließt WDR-Intendantin Monika Piel einen Ausstieg der ARD aus der Berichterstattung nicht aus. Würden etwa die Arbeitsmöglichkeiten für ARD-Kamerateams eingeschränkt, müssen wir über die Berichterstattung neu nachdenken, sagte Piel der Zeitschrift Focus. Es sei klüger, eine Entscheidung über einen Boykott offen zu lassen, so Piel. Sie stellte zudem die zukünftige Übertragung der Tour de France in der ARD in Frage.
Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbunds, Michael Vesper, hält nichts von Protestäußerungen deutscher Olympia-Teilnehmer gegen die chinesische Tibet-Politik im Rahmen der Wettkämpfe von Peking. An den olympischen Stätten sind politische Demonstrationen untersagt, sagte Vesper der Frankfurter Rundschau. Als Maulkorb will er die Rücksicht auf die IOC-Charta aber nicht verstanden wissen: Es gelte das Leitbild des mündigen Athleten. Der soll sich eine Meinung bilden, sie sagen und öffentlich vertreten - wenn er es will. Außerhalb der olympischen Stätten könne und solle jeder Athlet seine Meinung zu diesen Fragen kundtun.
Vesper mahnte einen fairen Umgang mit dem Gastgeberland China an: Es habe in den vergangenen sieben Jahren enorme Entwicklungen in China gegeben. Das Land vollziehe in wenigen Jahren einen Prozess nach, für den Mitteleuropa drei Jahrhunderte gebraucht hat.
Amnesty International fordert Untersuchung der Vereinten Nationen
Barbara Lochbihler, Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, fordert nach den Unruhen in Tibet eine unabhängige Untersuchung der Vereinten Nationen. Wenn es die Führung in Peking mit Offenheit ernst meint und nichts zu verbergen hat, sollte sie eine unabhängige Untersuchung durch die Vereinten Nationen erlauben, sagte sie der in Hannover erscheinenden Neuen Presse.
Einen Boykott der Olympia-Eröffnungsfeier sieht die Menschenrechtlerin skeptisch. Die Olympischen Spiele sollten zum Anlass genommen werden, strukturelle Veränderungen zu erreichen, sagte sie. Regierungen, Sportverbände und Sponsoren seien gefordert, konkrete Fortschritte einzufordern.
Text: FAZ.NET mit Material von DDP
Bildmaterial: dpa
