Sieben Tage in Lateinamerika. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich aufgemacht zu einer ungewöhnlich langen Reise, die sie von Brasilien über Peru nach Kolumbien und schließlich nach Mexiko führt. In der peruanischen Hauptstadt Lima wird die deutsche Regierungschefin am Gipfeltreffen der Europäischen Union und der Staaten Lateinamerikas teilnehmen. Wer eine Reise nach Lateinamerika plane, treffe allein wegen der Entfernungen auf einen herausfordernden Kontinent hatte die Kanzlerin vor Ihrer Abreise gesagt. F.A.S.-Redakteur Eckart Lohse begleitet sie und schildert in einem Tagebuch seine Eindrücke.
Tagebuch, Teil 1 - Der Hinflug
Die senegalesische Hauptstadt liegt, etwas laienhaft gesagt, schräg links unter uns. Angesichts der bevorstehenden Reise drängt sich ein Vergleich mit der legendären Ralley von Paris nach Dakar auf. Die Belastung von Mensch und Material verspricht jedenfalls hoch zu werden. Der Treibstoffverbrauch nicht minder. Treibstoff steht im Mittelpunkt der Reise von Angela Merkel nach Lateinamerika, vor allem, was die erste Station, Brasilien, angeht.
Die Kanzlerin sitzt im vorderen Teil des Airbus 310, dessen Name Konrad Adenauer darüber hinwegtäuscht, dass er ursprünglich von der DDR als Regierungsflugzeug angeschafft wurde. Vorne ist der VIP-Bereich, der aus einigen vom Rest des Flugzeugs abgetrennten Kabinen besteht. Am Tisch der Kanzlerin sitzen ihre engsten Berater: der für die Außenpolitik, Christoph Heusgen, Regierungssprecher Ulrich Wilhelm, der stellvertretende Leiter des Kanzlerbüros, Thomas Romes.
Komm doch - mit auf den ...
In der Mitte des Flugzeugs, der sogenannten 1. Klasse, die aus 22 Sitzen im Business-Format besteht, sitzen die mittelständischen Unternehmer, die Angela Merkel eingeladen hat, eine Woche mit ihr zu verreisen - von Brasilien nach Peru, Kolumbien und schließlich Mexiko, bis es am Dienstag der nächsten Woche wieder nach Berlin geht. Franz Ruder-Underberg von der Underberg KG ist einer von ihnen. Er ist entschlossen, die Reise zu nutzen, um das Produkt seines Hauses weltweit bekannt zu machen - und fängt schon auf dem Hinflug damit an. Nach dem Mittagessen geht er durch die Reihen der Mittelständler mit einer Art Miniatur-Mineralwasserkasten und zieht aus ihm die bekannten kleinen Fläschchen Magenbitter im grauen Papier.
Klimapolitik mit durchgescheuerten Knien
Die Journalisten sitzen im hinteren Teil in der Economy-Bestuhlung. Wer mehr als 1,80 Meter misst, muss angesichts der insgesamt mehr als 40 Flugstunden aufpassen, dass er nicht mit durchgescheuerten Knien zurückkommt. An Bord begegnen wir der Kanzlerin in einer kleinen Kabine, in der sie uns den Zweck der Reise erläutert.
Es wird viel um erneuerbare Energie, um Umweltfragen, Biotreibstoffe gehen. Gerade die Brasilianer sind auf diesem Gebiet weit, viele Autos des 190 Millionen Einwohner zählenden Landes werden schon mit Ethanol betrieben. Für eine Politikerin, die so viel Wert auf die Klimapolitik legt, ein wichtiges Land.
Biosprit doch keine Hexerei
Doch erst mal geht es nicht um Biosprit, sondern um Kerosin. Konrad Adenauer schaffte es nämlich nicht von Berlin bis Brasilia ohne Zwischenstopp. Nach gut sechs Stunden landet er deshalb auf den Kapverden vor der afrikanischen Westküste - Tankstopp. Die Flugzeugbesatzung wird ausgewechselt, die Mitreisenden haben die Gelegenheit, sich ein bisschen die Füße zu vertreten. Im Innenhof des International Airport der Ortschaft Sal sitzen einige vom Sonnenbrand gezeichnete englische Touristen und wundern sich über die Anzugträger, die einfallen.
Die reden schon wieder über Biotreibstoff. Claus Sauter von der VERBIO Vereinigte BioEnergie AG und Mitglied der Wirtschaftsdelegation steht in der Sonne und erzählt, dass in Brasilien der Liter Ethanol-Sprit für 30 Cent hergestellt werde und die Umrüstung der Autos eine Kleinigkeit sei. Klingt so, als sei das mit dem Biosprit doch keine Hexerei. Kaum ist er fertig, kommt die erfreuliche Nachricht: Das Flugzeug ist wieder vollgetankt. Noch einmal für mehr als fünf Stunden in die engen Sitze.
Nach 14 Reisestunden wird Angela Merkel in Brasilia der Rote Teppich ausgerollt. Mit etwas Verspätung, auch ist er zu kurz und der Trompeter bläst schief. Aber es ist ja auch schon zwei Uhr nachts - nach deutscher Zeit.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp, F.A.Z., picture-alliance/ dpa