Stoiber, Huber, Söder gegen Pauli

„Sie entwickelt sich zur Tatjana Gsell der CSU“

Landrätin Pauli wehrt sich gegen “Sankt Pauli“-Image

Landrätin Pauli wehrt sich gegen "Sankt Pauli"-Image

31. März 2007 Führende CSU-Politiker gehen auf Distanz zur Fürther CSU-Landrätin Gabriele Pauli. Nach dem Erscheinen der „Domina-Fotos“ in der vergangenen Woche soll der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ zufolge gegenüber Parteifreunden gesagt haben: „Frau Pauli betreibt Selbstdarstellung zu Lasten der gesamten Partei. Sie ist nicht die CSU und wird es niemals werden.“ Jetzt zeige sich, dass diejenigen, die Pauli in den vergangenen Monaten gewähren ließen, der Partei geschadet hätten.

Wie der „Spiegel“ weiter schreibt, halte es Stoiber für einen strategischen Fehler, dass man Pauli zur Symbolfigur für diejenigen habe werden lassen, die der CSU letztlich schaden wollten. „Es hat offenbar dieser Bilder bedurft, bis das jetzt von allen verstanden wurde. Jetzt ist der Geist aus der Flasche.“ Pauli, die unter anderem Mitglied im CSU-Landesvorstand ist, hatte sich für die April-Ausgabe des Magazins „Park Avenue“ unter anderem mit glänzenden Latexhandschuhen und schwarzer Augenmaske fotografieren lassen und damit Kritik auf sich gezogen.

„Aus dem Zusammenhang gerissene Zitate“

Gabriele Pauli: Selbstdarstellung zu Lasten der CSU?

Gabriele Pauli: Selbstdarstellung zu Lasten der CSU?

Am Freitag reichte Paulis Anwalt wegen des Beitrages Beschwerde beim Presserat ein. Die Fotos unter der Überschrift „Sankt Pauli“ sowie „die nicht autorisierte Beimengung von aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten auf diesen Bildern ergeben eine Aussage, die menschenrechtswidrig ist“. Sie diene lediglich dem Zweck, Pauli zur „Domina“ oder „Sankt Pauli“ zu manipulieren und so ihren guten Ruf in der Öffentlichkeit zu zerstören.

Anwalt Fricke zufolge will Pauli Schmerzensgeld für die Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte verlangen. Dem Chefredakteur von „Park Avenue“ warf Fricke vor, dass die Zusage, Bilder und Text vor Veröffentlichung vorzulegen, nicht eingehalten worden sei. Pauli habe zudem zu keinem Zeitpunkt der Veröffentlichung der Bilder zugestimmt.

„Zur Tatjana Gsell der CSU entwickelt“

Der bayerische Wirtschaftsminister und mögliche Nachfolger von Stoiber als CSU-Vorsitzender, Erwin Huber, sagte vor dem Hintergrund der Aufnahmen, jeder sei für seinen Sendungstrieb und seine Seriosität selbst verantwortlich. „Frau Pauli aber ist nicht mehr ernstzunehmen“, betonte Huber. Sie schade dem Ansehen der Frauen in der Politik gewaltig. Auch bei Innenminister Günther Beckstein (CSU), der im Herbst die Nachfolge von Stoiber als bayerischer Ministerpräsident antreten will, stieß Pauli auf Unverständnis. „Ich bedaure, dass sie Dinge tut, die man besser nicht kommentiert, weil sie so eindeutig sind, dass man sie nicht kommentieren muss“, sagte Beckstein.

CSU-Generalsekretär Markus Söder sagte, er habe immer befürchtet, dass „sich Gabriele Pauli irgendwann zur Tatjana Gsell der CSU entwickelt“. Er fügte hinzu: „Wenn man von den Medien hochgejubelt wird, ohne dass man inhaltlich etwas zu erzählen hat, dann dauert es nicht lange und man landet im Boulevard.“ Im Grunde tue sie ihm leid. „Frau Pauli hat als Landrätin einiges für den Landkreis Fürth getan. Inzwischen ist das alles nur noch peinlich“, sagte Söder.

Text: FAZ.NET mit ddp
Bildmaterial: ddp, dpa

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