03. November 2009 Mehr als eine Woche nach Beginn seines Prozesses ist der wegen Völkermordes und weiterer Verbrechen angeklagte Radovan Karadzic erstmals vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag erschienen. Der frühere bosnische Serbenführer warf den Richtern am Dienstag vor, sie hätten seine fundamentalen Rechte verletzt, als sie den Prozess ohne ihn begonnen hätten. Das Gericht hatte Karadzic gewarnt, es könne sein Recht einschränken, sich selbst zu verteidigen.
Die Anklage hatte in der vergangenen Woche mit Billigung der Richter damit begonnen, die Vorwürfe zu verlesen, aber selbst darauf hingewiesen, dass das in Abwesenheit des Angeklagten problematisch sei. Karadzic, der außerhalb des Gerichtssaals von zahlreichen Helfern unterstützt wird, forderte am Dienstag nochmals mehr Zeit, um seine Verteidigung vorzubereiten. Sonst müsse er dem Prozess weiter fernbleiben, weil das Verfahren nicht fair wäre.

Der frühere Serbenführer Karadzic unterbrach seinen Boykott des Prozesses gegen ihn und erschien vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag
Der Vorsitzende Richter O-Gon Kwon widersprach Karadzic. Er habe genug Zeit zur Vorbereitung bekommen. Der 64 Jahre alte einstige Oberkommandierende der bosnisch-serbischen Streitkräfte wurde schon 1995 angeklagt, hielt sich dann verborgen und sitzt nun seit 14 Monaten in Haft. Karadzic wird unter anderem für das Massaker von Srebrenica verantwortlich gemacht, dem im Juli 1995 etwa 8000 muslimische Männer und Jungen zum Opfer fielen. Wegen dieses Verbrechens wird auch der damalige bosnisch-serbische General Mladic noch gesucht.
Text: FAZ.NET mit Mü.
Bildmaterial: reuters