Bolivien

Evo Morales glaubt an Zapatero

Von Josef Oehrlein, La Paz

Morales fand es nicht lustig

Morales fand es nicht lustig

22. Dezember 2005 Als sich der künftige Präsident Boliviens, der Kokabauernführer Evo Morales, seines überwältigenden Wahlsieges sicher sein konnte, kamen zuhauf die Glückwunschanrufe von Staats- und Regierungchefs. Einer der ersten Gratulanten war der spanische Ministerpräsident. Jose Luis Zapatero: „Hat dich Fidel angerufen?“ Morales: „Ja, es gab viele Anrufe.“ Zapatero: „Wer dich sicher nicht angerufen hat, ist George Bush.“ Morales: „Nein, so ist das halt.“ Zapatero lachend: „Mich hat er auch noch nicht angerufen, und ich bin schon zwei Jahre im Amt.“

Morales wäre wohl kaum zum Präsidenten gewählt worden, wäre er nicht gewieft genug, um Zapatero gleich beim ersten Telefonat an ein angebliches Versprechen zu erinnern: Wollte Spanien im Fall seines Wahlsiegs nicht die Entwicklungshilfe für Bolivien verdoppeln? Ohne zu zögern, willigte Zapatero ein, und Morales berichtete stolz der Öffentlichkeit über das Gespräch.

Scherz des katholischen Radios

Schon bald werde er Zapatero treffen, teilte der designierte Präsident mit. Was er erst erfuhr, als die spanische Regierung das Telefonat bestritt: Er war einem Stimmenimitator aufgesessen, der sich als Zapatero ausgegeben hatte. Der spanische Rundfunksender Cope, dessen Mehrheitseigner die katholische Kirche ist und der aus seiner Abneigung gegen die Regierung des Sozialisten Zapatero kein Hehl macht, erlaubt sich regelmäßig derlei Scherze.

Inzwischen hat der richtige Zapatero Morales angerufen und ihn nach Spanien eingeladen. Der Spaß des Senders sei „inakzeptabel“, meinte Zapatero. Für seine Regierung ist der Spaß damit auch noch nicht vorbei. Außenminister Miguel Angel Moratinos zitierte am Donnerstag den Nuntius Manuel Monteiro de Castro ins Ministerium, um gegen den Scherz zu protestieren. Die Regierungen Spaniens und Boliviens verlangen von der Rundfunkanstalt eine Entschuldigung.

Auch Chavez und Castro wurden angerufen

Morales ist nicht der erste Politiker, der auf die Stimmenimitatoren des Senders hereingefallen ist. Auch der venezolanische Präsident Hugo Chavez und der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro wurden schon Opfer.

„Chavez“ rief Castro an und „Castro“ Chavez. Anders als Morales wurden beide während des Gesprächs jedoch der Hochstapelei gewahr. Castro, den der Chavez-Imitator 25 Minuten lang hinhielt, beschimpfte nach der Enttarnung die Radioleute mit unflätigen Ausdrücken.

Text: F.A.Z., 23.12.2005 / Seite 1
Bildmaterial: picture-alliance / dpa

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