17. Juni 1953: Mit Steinen gegen russische Panzer in der Leipziger Strasse in Ost-Berlin

F.A.Z.-Gastbeitrag

Der lange Schatten des 17. Juni

Still und starr war es im selbsternannten Arbeiter-und-Bauern-Staat, nachdem die SED-Führung mit Hilfe sowjetischer Panzer die Forderungen nach Freiheit und Demokratie niedergeschlagen hatte. 55 Jahre nach dem Aufstand in der DDR blickt Wolfgang Tiefensee auf die Ereignisse zurück.

Lesermeinungen zum Beitrag

18. Juni 2008 16:38

Nationaler Feiertag…

Harry LeRoy (Cimon)

Man hätte diesen denkwürdigen Tag, als in der DDR Arbeiter und Bauern die sozialistische Propagandaphrase vom Arbeiter- und Bauernstaat beim Wort nahmen und die Abdankung der despotischen SED-Diktatur forderten, niemals als nationalen Feiertrag abschaffen sollen; mag dies auch die Arbeitgeber erzürnen, aber politische und historische Feiertage hat dieses Land ohnehin viel zu wenige wie es zu viele religiöse Feiertage hat (was dem Land von Seiten iranischer Antisemiten, zumindest brieflich, den Vorwurf der Gottesfurcht eingebrockt hat).

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17. Juni 2008 13:50

Was geschah am 17. Juni?!

Gerhard Finsterbusch (bahlsen)

Wer einen etwas sachlicheren Tatsachenbericht vorzieht, sollte sich das Buch "Was geschah am 17. Juni?" von Hans Bentzien zur Hand nehmen. (ISBN 3-360-01042-6) Hier errinnert sich ein geläuterter, zur Selbstkritik fähiger, in die Ereignisse involvierter (!) Politiker. Sehr schön kann man darin die zeitliche Abfolge der Ereignisse und die Beeinflussung durch westl. Rundfunksender (RIAS) und Politiker (Egon Bahr) nachvollziehen. Herr Tiefensee, in "dieser Kluft zwischen Propaganda und Wirklichkeit" finden Sie sich ja anscheinend auch ganz gut zurecht, wenn man sich die Argumentation Ihres neuen Bußgeldkataloges und diesen Artikel anschaut. Für mich sind Sie ein Politiker, der sich profilieren und empfehlen will. Ein Karrierist. Wenn man Sie nach Ihrem Senf zu diesem Thema fragt, hat man Sie scheinbar auch bei der FAZ entdeckt. Glückwunsch...

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17. Juni 2008 13:27

Nur die halbe Wahrheit

Werner Kastor (wkastor)

Vor und am 17. Juni hat die DDR-Führung gezeigt, dass sie die Arbeiter nicht achtet. Mit dem Mauerbau hat sie demonstriert, dass ihr Freiheit nichts bedeutet. Wer aber die Wünsche vieler Menschen in der DDR und anderswo in Osteuropa im Prager Frühling richtig versteht, weiss, die Fesseln, von denen Ulrike Poppe zu Recht gesprochen hat, schränkten die persönlichen Freiheitsrechte ein, ließen aber den Wunsch nach sozialer Freiheit weiter gedeihen. Nach der Wiedervereinigung haben die Ostdeutschen diese persönlichen Freiheiten, aber vielen fehlen die sozialen. Das kann man nicht eins zu eins gegeneinander aufrechnen. Die persönlichen Freiheitsrechte sind der notwendige erste Schritt, die sozialen der zweite. Dennoch stimmt, ohne Demokratie kein Sozialismus und ohne Sozialismus keine Demokratie.

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17. Juni 2008 13:17

Der 17. Juni wird unter 1968 versteckt.

Daniel J Hahn (137)

Der 55. Jahrestag des Aufstandes in der DDR, einer Protestaktion, die Mut erforderte und Leben kostete, steht im überlängten Schatten der sogenannten 68er Bewegung westdeutscher Studenten, die die Unterdrücker vom 17. Juni 1953 bewunderten. Seit Monaten muß man die Rechtfertigungs- und Beweihräucherungsbeiträge in nahezu allen Medien dieses Landes über sich ergehen lassen, obwohl im Jahr 1968 nur einige satte Bürgerskinder den Aufstand probten und sich im Namen eines angeblich freien Vietnams mit den kommunistischen Massenmördern verbrüderten, ohne dabei auch nur annähernd das zu riskieren, was die Menschen in der DDR 1953, in Ungarn 1956, in Prag 1968 und in Warschau ab Mitte der Siebziger Jahre riskierten, ihr Leben. Alles reden von der angeblich verkrusteten Gesellschaft in der Bundesrepublik, die es auch mit feigen Morden - unterstützt vom MfS, wie wir heute wissen - aufzubrechen galt, wurde von den Verhältnissen in der DDR konterkariert. Man mußte es nur wahrnehmen wollen. Der Umgang mit dem Jahrestag des Aufstandes illustriert den Umgang mit dem Erbe und den Erben der kommunistischen Diktatur leider nur zu deutlich. Die Täter verhöhnen die Opfer und die "Anständigen" sehen mit Links Nichts. Man müßte nur sehen wollen.

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17. Juni 2008 13:12

Es muss eine andere Welt sein

Fredericus Secondo (FredericusSecondo)

von der der SPD-Funktionär Tiefensee da spricht. Und er spricht wohl auch von anderen Menschen. Als die Kollegen meines Vaters 1953 im Reichsbahnausbesserungswerk Werder/Havel von der Sollnormerhöhung erfuhren, da machte sich spontan unter den Mitarbeitern dort eine Art von Verzweiflung breit. Ohne Schrauben, ohne Hämmer, ohne Mauersteine sollten da ad hoc 30% mehr Leistung gebracht werden. Fäuste statt Hämmer, das war die Antwort, die meines Vaters Kollegen und mein Vater den autokratischen Diktaturhandlangern der kommunistischen Nomenklatura damals gaben. Und, wenn mein Vater, der als Mitglied der LDPD eher zu den freiheitlichen Republikanern zählte, mich nicht belogen hat, die Freiheit des westdeutschen Nazistaates suchten weder er noch seine Kollegen. Und dass die damalige sogenannte Demokratie eine von Helfershelfern der NSDAP-Diktatur gelenkte Scheindemokratie war, war nicht nur die Auffassung meines Vaters. Das dachten die Männer und Frauen, die mit produktiver Arbeit versuchten, für ihre Kinder eine Zukunft aufzubauen, in der jeder die Möglichkeit haben sollte, sich ein eigenes Leben frei und unter Freien zu bauen. Aber - und das scheint mir die Crux. Davon hat der Herr Tiefensee wohl nichts verstanden. Bis heute.

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17. Juni 2008 12:24

Bezeichnenderweise...

Arndt Ludwig (Lorddersith)

...wurde der 17. Juni dann als Feiertag abgeschafft und durch den blutleeren Beitrittstag der DDR zur BRD "ersetzt". Vergesst die mutigen Kämpfer (und Opfer) gegen Teilung und Fremdherrschaft - gedenkt des Verwaltungsaktes !!! Deutlicher konnte der Seelenzustand unserer Nation nicht aufgezeigt werden...

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17. Juni 2008 12:10

17. Juni 1953

Clemens Griesinger (Clemens-Deutschland)

Heute jährt sich wieder der 17. Juni und abermals wird die Erinnerung an diesen demokratischen Volksaufstand den deutschen Medien nur eine Randnotiz wert sein. Unglaublich auch, dass die meisten Täter und Mithelfer des kommunistischen Unrechtregimes ungeschoren davonkommen. Man kann nur sagen, dass die Aufarbeitung des DDR-Regimes nicht funktioniert hat. Die Folge:"Ostalgie"-Shows häufen sich und äußerst fragwürdige politische Strömungen wie die PDS erhalten immer größere Zustimmung.

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17. Juni 2008 12:01

Danke Herr Tiefensee

Bertram von Steuben (Elim_Garak)

Ein lebendiger und sehr nachdenklich machender Bericht über eine Zeit, die meine Generation (Mitte 60er) nur aus der Schule kennt und einmal jährlich kurz erklärt bekam. Die Beschreibung der Stimmung der Bevölkerung und der nur zu Hause vertretenen politischen Ansicht wird hier sehr menschlich (und darum geht es ja) beschrieben. Der Gastbeitrag sollte eine Pflichtlektüre für alle Wähler der SED-Nachfolgeparteien sein !!!! Pflichtlektüre auch für alle die immer noch eine glorifizierende Ostalgie mit Fahnen Uniformen und Liedern betreiben und damit ein diktatorisches, unmenschliches und totalitaristisches Unrechtsregime 'feiern' !!

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17. Juni 2008 11:53

gelebte geschichte

carl meier (carl_m)

sehr geehrter herr tiefensee, wie sie schreiben, haben sie den 17. juni ja nicht selbst erlebt, aber warum herr tiefensee vertun sie die chance und erzaehen uns nicht, was den diese andere sicht der ereignisse in ihrer familie war, von der sie berichten. als andere sind allgemeinplaetze und tausenmal wiederholte geschichte, die so ebenso gut in den politischen verlautbarung der ddr haetten stehen koennen, wuerde man einfach nur die vorzeichen aenderen und ein paar schlagworte austauschen. schade.

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17. Juni 2008 11:38

Der 17. Juni IST ein Feier-Gedenktag

L. Leroc (Leroc)

Ihrem Beitrag fehlt noch ein weiterer Tag. Der ehemalige DDR-Bürger und heutige Bundestagsvizepräsident Wolgang Thierse hat vorgeschlagen, einen der Orte des Geschehens in „Platz des 17. Juni“ umzubenennen. Auf diese Weise soll der blutigen Niederschlagung derer gedacht werden, die im Juni 1953 gegen Normerhöhung und für Wahlfreiheit und Demokratie demonstriert hatten. In der sowjetischen Besatzungszone in Ost-Berlin wurde durch den sowjetischen Kommandeur das Kriegsrecht ausgerufen. In der Folge wurden über 100 unbewaffnete Arbeiter, überwiegend Stahlarbeiter, erschossen und es gab zahlreiche Verletzte. Herr Thierse fordert dies zurecht und man kann sicher sein, dass sich viele weitere Politiker dieser Forderung anschließen werden. Das Datum dürfe nicht aus dem Gedächtnis geschlöscht werden, sagte er. So berechtigt diese Forderung auch sein mag, er geht, wie alle weiteren politisch Verantwortlichen, nicht weit genug. So ist es doch gerade der Zusammenhang zwischen massivem -friedlichem- Aufbegehren der Bürger der DDR, noch bevor es überhaupt eine trennende Mauer gab, über den Mauerbau 1961 bis zum Mauerfall 1989. Der 17. Juni war bundeseinheitlicher Feiertag. Bis zur Unterzeichnung des Vertrags weiter unter www punkt leroc.eu

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