06. Mai 2007 La France! Was für ein guter Grund, für Sarkozy zu stimmen! steht auf dem Rücken ihrer T-Shirts. Sie jubeln, sie fallen einander in die Arme, als um 20 Uhr endlich bestätigt wird, was sie erhofften: Der sechste Präsident der Republik heißt Nicolas Sarkozy.
Seit drei Stunden stehen sie dichtgedrängt vor dem Konzertsaal Gaveau unweit des Elysée-Palastes; hier hält der Wahlsieger seine erste Rede. Auch innen im Saal, wo die Würden- und Mandatsträger der Präsidentenpartei UMP das Parterre und die Logen füllen, schlägt die Stimmung bei der Ankündigung des Ergebnisses über. Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie hüpft ganz sportlich in die Höhe, der frühere Außenminister Michel Barnier singt aus voller Kehle die Marseillaise mit.
Ségo in Poitiers, Nicolas im Elysée
Es ist 20 Uhr und zwei Minuten, und die Nationalhymne ist das Beste, was der Wahlgesellschaft einfällt, um ihrer Freude Ausdruck zu verleihen. An der Balustrade hat jemand eine riesige blau-weiß-rote Banderole befestigt, auf der steht Sarkozy Président.
Draußen singen die Sympathisanten auch, aber etwas weniger staatstragend. Ségo in Poitiers, Nicolas im Elysée reimen die Sprechchöre. In Poitiers tagt der Regionalrat, dem die unterlegene sozialistische Kandidatin vorsteht. Aber über die Zukunft der Sozialistin kümmert sich die Menschenmenge nicht; ihr Jubel gilt der Zukunft Frankreichs, das sie bei Nicolas Sarkozy in besten Händen wähnen.
Trikolore-Flaggen werden geschwenkt, dazwischen fliegen Hunderte blaue Luftballons. Blau ist die Farbe der Präsidentenpartei Union für eine Volksbewegung (UMP), die ihren Namen wohl selten so verdient hat. Dann endlich, eine halbe Stunde ist seit der Ankündigung des Wahlergebnisses vergangen, tauchen die ersten Fernsehbilder von Nicolas Sarkozy in seiner Renault-Limousine auf, umringt von Motorrädern. Die Limousine fährt über den Place de la Concorde und dann am Elysee-Palast vorbei, Sarkozy winkt freundlich den Kameraleuten zu, die sich auf ihren Motorrädern möglichst nah an das Auto heranzumanövrieren versuchen.
Alles wird möglich
Die meisten Sympathisanten haben sich schon heiser gebrüllt, als Nicolas Sarkozy vor das Rednerpult tritt, auf dem Alles wird möglich geschrieben steht.
Ich empfinde den großen Stolz, einer großen, alten Nation anzugehören. Ich liebe Frankreich wie man einen lieben Menschen liebt. Es ist an mir, heute Frankreich zurückzugeben, was es mir gegeben hat, sagte Sarkozy. Er sprach Segolene Royal seinen Respekt aus und rief seine Anhänger dazu auf, die Wähler der Sozialisten zu respektieren.
Frankreich ist zurück in Europa!
Sarkozy wandte sich an alle Wähler, die nicht für ihn stimmten: Ich werde der Präsident aller Franzosen sein. Es gibt nur einen Sieg, den der Demokratie. Meine Priorität ist es, dass die Franzosen nie die Lust verlieren, miteinander zu sprechen, sagte Sarkozy. Frankreich habe sich entschlossen, mit der Vergangenheit zu brechen. Er wolle Frankreich den Stolz auf die Nation zurückgeben und mit der Kultur der Entschuldigungen und Reuebekundungen aufhören. Er wolle, dass jeder seinen Platz in der Republik finde.
Sarkozy versprach, er werde den Wert Arbeit rehabilitieren. Er rief alle auf, sich zu öffnen. An die europäischen Partner gerichtet sagte Sarkozy, er glaube aufrichtig an Europa. Frankreich ist zurück in Europa!
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, REUTERS