Fatah und Hamas

Bruderkampf im Gazastreifen

Von Wolfgang Günter Lerch

13. Juni 2007 Durch Vermittlung des saudiarabischen Königs Abdullah hatten sich die beiden palästinensischen Gruppierungen Fatah und Hamas vor Wochen auf eine „Regierung der nationalen Einheit“ geeinigt und ihren Zwist für begraben erklärt. Doch leider haben die Skeptiker, die vermutet hatten, die Sache werde nicht allzu lange halten, wieder einmal recht bekommen: Der Streit wird erbitterter denn je ausgetragen. Sogar die Quartiere von Regierungschef Ismail Hanija und Präsident Mahmud Abbas sind beschossen worden, viele Opfer sind zu beklagen.

Natürlich geht es dabei zunächst um die Macht; doch die völlig unterschiedlichen ideologischen und politischen Vorstellungen verschärfen diesen Kampf zwischen den Führungen und Anhängern beider Lager.

Zersplitterte Strukturen

Für die Hamas zählt nur der Islam, dem sich alles andere unterzuordnen hat, während die Fatah mehr „weltliche“ Politik betreibt. Die radikalislamische Hamas, obwohl sunnitisch wie die allermeisten Palästinenser, erfährt Unterstützung durch die nicht weniger radikale schiitische Hizbullah („Partei Gottes“) im Libanon, die schon lange ihre Fäden auch in Gaza und im Westjordanland spinnt, sowie durch Teheran.

Die Fatah hingegen findet mehr Hilfe im sunnitischen Lager. Die sozialen und menschlichen Bedingungen im Westjordanland und im Gazastreifen wurden immer mehr zerrüttet, so dass auch dies zum Ausbruch der jüngsten blutigen Kämpfe beigetragen haben dürfte. Die Strukturen in diesem heterogenen, geographisch getrennten und räumlich zersplitterten Kryptostaat sind noch weitgehend zerstört, nicht zuletzt auch durch Israels frühere Vergeltungsschläge. Radikalisiert haben sich jetzt auch die Palästinenser in den libanesischen Flüchtlingslagern, wo sogar Al Qaida mitmischen soll.

Die Unruhe wird fortdauern

Rasche und entschiedene Vermittlungsbemühungen sind notwendig. Die Ägypter versuchen es. Doch eigentlich wäre eine umfassende Nahost-Initiative angebracht. Aber Israel ist gerade mit sich selbst beschäftigt, seine Regierung schwach.

Die amerikanische Weltmacht hat im Irak eine ungelöste und in Afghanistan eine eskalierende Krise am Hals. Europa müht sich diplomatisch redlich; doch ist es noch nicht einmal gelungen, die bedrückenden Lebensbedingungen der Palästinenser ein wenig aufzuhellen. So wird die Unruhe fortdauern.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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