04. Juli 2007 Ein abermaliger Warnstreik von Bahnmitarbeitern hat am Mittwochmorgen in Hessen und Rheinland-Pfalz zu teils erheblichen Behinderungen im Berufsverkehr geführt. Arbeitsniederlegungen in mehreren Stellwerken führten zu massiven Verspätungen und Zugausfällen vor allem im Rhein-Main-Gebiet. In den Bahnhöfen Mainz und Wiesbaden verkehrte kaum noch ein Zug, auch die S-Bahnen fielen aus. Betroffen war auch der Fernverkehr.
Ein Ausstand im dem Stellwerk Steinau in Osthessen führte zu Beeinträchtigungen im ICE- und Regionalverkehr zwischen Hanau und Fulda, wie die Bahn meldete. Betroffen waren die ICE-Linien Hamburg-Kassel-München, Hamburg-Kassel-Frankfurt-Basel, Berlin-Braunschweig-Frankfurt, Berlin-Braunschweig-Stuttgart-München sowie Dresden-Leipzig-Frankfurt. Die Bahn leitete Züge um, was mit Verspätungen verbunden war.
Verkehr rund um Kassel stand nahezu still
Nach Angaben der Gewerkschaften beteiligten sich insgesamt rund 1.000 Beschäftigte an den Arbeitsniederlegungen. Der Verkehr rund um Kassel sei nahezu zum Erliegen gekommen, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Transnet. Auch nach Ende der Arbeitsniederlegungen werde es voraussichtlich noch zwei bis drei Stunden dauern, bis sich die Lage wieder normalisiere.
Nach Angaben der Bahn war auch der Nah- und Fernverkehr auf der linken Rheinstrecke wegen eines Ausstands auf dem Stellwerk Gau Algesheim unterbrochen. Umleitungen über die rechte Rheinstrecke und Wiesbaden führten zu Fahrzeitverlängerungen. Auch auf zwei Stellwerken auf der Strecke Mainz-Worms sei die Arbeit niedergelegt worden. Hier ruhe der Nah- und Fernverkehr derzeit komplett. Die Bahn kritisierte, die Streiks auf den Stellwerken seien nicht angekündigt worden.
Verhandlungen mit Transnet und GDBA
Unterdessen haben die Gewerkschaften Transnet und GDBA die Einladung zu einem Spitzengespräch mit Bahnchef Hartmut Mehdorn angenommen. Das Gespräch soll am Vormittag stattfinden.
Transnet-Chef Norbert Hansen erwartet ein deutlich verbessertes Angebot der Bahn. Bahnchef Hartmut Mehdorn habe deutlich gemacht, dass es ihm darum geht, weitere Streiks wie in den vergangenen Tagen zu vermeiden, sagte Hansen im Inforadio des RBB.
Die Gewerkschaften fordern 7 Prozent Entgeltsteigerung, die Bahn hat bisher auf 30 Monate gestreckt zwei Mal je 2 Prozent Erhöhung angeboten. Bei erfolglosen Gesprächen gebe es einen Streikplan der Gewerkschaften mit einer Erhöhnung des Drucks in mehreren Wellen.
Die Lokführer-Gewerkschaft GDL wird voraussichtlich am Donnerstag mit Mehdorn sprechen. GDL-Chef Manfred Schell verteidigte in den ARD-Tagesthemen den Alleingang seiner Gewerkschaft bei den Tarifverhandlungen. Wir sind dort gelandet, wo wir heute stehen, weil wir alle Tarifverträge bisher gemeinsam gemacht haben, sagte er. Die GDL fordert einen Fahrpersonaltarifvertrag, der Entgelterhöhungen bis zu 31 Prozent enthält. Die anderen Gewerkschaften fordern sieben Prozent mehr Geld.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, F.A.Z.-Greser&Lenz