16. Juni 2005 Zum Artikel in der FA.Z. vom 16. Juni "Unter dem Marx-Kopf": Sie berichten wörtlich aus der Rede, die Lafontaine in Chemnitz gehalten hat, so: "... daß das Volk nicht mehr wolle, daß die Politik über seine Köpfe entscheide". Ich erinnere, die Schaffung der Bundeswehr, die West-Integration Deutschlands und vieles mehr erfolgten durch die Mehrheit des Bundestages gegen erbitterten Widerstand der damaligen SPD-Opposition. Heute ist auch die SPD für Bundeswehr, Nato und EU. Aber Oskar Lafontaine kritisiert lauthals, in Berlin würden "Entscheidungen, die von der Mehrheit des Volkes abgelehnt würden, dennoch von der Mehrheit des Volkes beschlossen." Na sowas! Wir sind eine parlamentarische Demokratie, in der das Parlament mit der Mehrheit der frei gewählten Volksvertreter entscheidet. Lafontaine legt die Axt an die Wurzel. Wer stoppt Lafontaine? Wer stoppt diesen Frontalangriff auf unsere Demokratie?
Rainer Barzel, München
Text: F.A.Z., 17.06.2005, Nr. 138 / Seite 9