Frankreichs kommender Premier?

François Fillon: Meister der Untertreibung

Von Michaela Wiegel, Paris

Fillon als Berater an der Seite des künftigen Präsidenten

Fillon als Berater an der Seite des künftigen Präsidenten

08. Mai 2007 Mit „Monsieur Le Premier Ministre“ wird François Fillon im Wahlkampfteam Nicolas Sarkozys schon seit Tagen angesprochen. Von den Vertrauten des künftigen Präsidenten zweifelt niemand daran, dass Sarkozys erster Premierminister Fillon heißen wird. Fillon selbst schweigt; ihm liegt es nicht, sich in den Vordergrund zu drängen.

Der 53 Jahre alte Linksgaullist mit solider Regierungserfahrung ist ein Meister der Untertreibung. Dem Sohn eines Notars und einer Historikerin ist die gute Kinderstube bis in den wohlgezogenen Scheitel anzusehen. Stets tritt er höflich und verbindlich auf, strahlt Ruhe aus. „Gentleman farmer“ haben die Franzosen ihn getauft, und das nicht nur, weil er mit seiner britischen Frau und den fünf gemeinsamen Kindern ein Landgut in der Sar-the unweit des Loire-Flusses bewohnt.

Kein Wankelmut

Fillon: Der „Gentleman farmer” warnte vor einem teuren Euro

Fillon: Der „Gentleman farmer” warnte vor einem teuren Euro

Fillon verkörpert die unterkühlte Eleganz des Provinznotablen, der sich nicht mit seinen Erfolgen in Paris brüstet. Dabei hätte er allen Grund, auf seine Rentenreform stolz zu sein, die er 2003 durchsetzte, ohne Frankreich durch Streiks und Proteste lahmzulegen. Der Arbeits- und Sozialminister wollte damals mit dem Umbau der sozialen Sicherungssysteme fortfahren, doch Chirac bremste ihn. Der mangelnde Reformmut des Präsidenten, sagt Fillon heute, habe dazu geführt, dass er sich von ihm abgewendet habe. (Siehe auch: Frankreich: Rendezvous mit Royal)

Im Jahre 2004 übernahm Fillon auf Drängen Chiracs das Erziehungsministerium. Der Präsident sah zu, wie Fillon sich gegen den Widerstand der Gewerkschaften mühte, die Abiturprüfungen zu reformieren. Dem Druck von der Straße gab Chirac nach und entließ Fillon aus dem Amt. Enttäuschung über die mangelnde Standfestigkeit des Präsidenten, aber vor allem den Willen, Frankreich zu reformieren, hat Fillon aus dieser Erfahrung gewonnen. Mit Präsident Sarkozy, da ist sich Fillon sicher, werde es keinen Wankelmut geben, könne dieser sich doch auf die Legitimität eines Reformmandats stützen.

Europäische Wirtschaftsregierung

Fillon hat Rechtswissenschaften und an der „Sciences Po“ studiert, wo der Deutschland-Fachmann Alfred Grosser zu seinen Mentoren zählte. Als parlamentarischer Mitarbeiter des gaullistischen Ministers Joel Le Theule fand er in die Politik. Der heutige Präsident des Rechnungshofs, Philippe Seguin, entdeckte in dem jungen Mann einen Gleichgesinnten. Beide einte eine patriotische Verbundenheit mit Frankreich, Skepsis über die Souveränitätstransfers an die EU und Zweifel an der „postnationalen“ Europa-Begeisterung. Zugleich trieb sie der Wunsch nach einer gaullistischen, vom Staat gesteuerten Sozialpolitik zusammen, eine Art Pakt gegen die Liberalisierungsstrategie der EU.

Fillon erinnert noch heute gern daran, gegen den Vertrag von Maastricht gestimmt zu haben. Er steht hinter den Angriffen Sarkozys auf den „teuren Euro“ und der Forderung nach einer europäischen Wirtschaftsregierung. Ohne Genugtuung stelle er fest, dass alle Befürchtungen über den Euro heute eingetreten seien. Fillon hofft, dass unter Präsident Sarkozy die Stimme Frankreichs in der EU wieder stärker gehört wird.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bildmaterial: AFP, AP

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Verliebt, verlobt, verheiratet!Für alle die mehr suchen als einen Flirt - www.faz.net/partnersuche

Blättern
ÜberKreuz

Kleine Kirchenkomödie

Von Reinhard Bingener

Anzeige

Kfz-Versicherung

Verpassen Sie nicht den Kündigungsstichtag 30.11. Vergleichen Sie jetzt Ihre Kfz-Versicherung und sparen Sie bis zu 500 €!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche