
Heuer werden Verwaltungsgerichts-Präsidenten (Kassel), die auf ihrem privaten PC tausende Kinderporno-Bilder haben, zu einer Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt, "ehemalige" Terroristen und Häftlinge bekommen Jobs als Psychologin (!) vom Bundesministerium Entwicklung etc.
Menschen, die z. B. Steuern hinterziehen oder ihre eigene Gesundheit mit Doping ruinieren, werden eingesperrt und durch die Medien gehetzt, dass sie "keinen Fuss mehr in eine Tür bekommen". Entweder liege ich selbst falsch oder das ganze Weltbild ist irgendwie verschoben...
Vielleicht sollte ich mal eine Sitzung bei Silke Maier-Witt nehmen, da mich diese ganzen schrecklichen Meldungen und diese Heroisierung dieser Verbrecher dermassen umtreibt, dass ich kaum noch schlafen kann. Sie scheint ein Rezept zu haben, das Gewissen auszuschalten.

Mich konnte der, von Herrn Gaenger als Rechtfertigung der RAF-Morde bezeichneten, Kommentar weder von einer Rechtmaessigkeit noch von einer Verniedlichung der Taten ueberzeugen. Ich sehe hier mehr einen sachlichen Aspekt, der die Hintergruende der Attentaeter beleuchtet. Hier eine Rechtfertigung hinein zu interpretieren ist Herrn Gaengers gutes Recht.
Ebenso ist es das Recht eines jeden, diesen Kommentar zu lesen und sich seine eigene Meinung zu bilden.
Ich hoffe, dass mein Kommentar jetzt nicht als Rechtfertigung der Rechtfertigung bezeichnet wird, denn in meiner moralischen Grundeinstellung verachte ich solcherlei Gewalt zutiefst, dessen Ursachen zu verdraengen jedoch ebenfalls.

Es wird Zeit, die Zeit der RAF aufzuarbeiten. Das habe ich aus dem Interview entnommen. Es ist ein wichtiges Thema deutscher Geschichte, Aufarbeitung von Vergangenheit. Das heißt die Dinge beim Namen zu nennen und damit den Prozess der Entzauberung wirklich einzugehen. Das heißt mit Wirkung, die wir in unserem Volk so sehr brauchen. Dazu könnten die ehemaligen RAF Mitglieder beitragen. In den Märchen, einer Quelle Archetypischer Weisheiten, wurde zum Beispiel das Rumpelstilzchen, als es beim Namen genannt wurde entzaubert. Daß ich richtig verstanden werde, es geht um die Namensnennung des Ungeistes, der da gewirkt hat. Dazu brauchen wir natürlich ein Wertesystem, zu dem dieser Ungeist in Bezug kommt. Das wäre die ganz große Chance der ehemaligen RAF Mitglieder. Aus dem Interview nehme ich den sanften Anfang war und die enorme Schwierigkeit diesen Weg zu gehen.

so schlimm, falsch und grausam es war und ist, menschen zu töten, um seine ziele (welche auch immer!) erreichen zu wollen, so falsch und unsensibel ist es auch, die opfer zu benutzen, um politische ideologien zu verdeitigen. und genau das scheint die motivation vieler kommentatoren zu sein. zunächst wird heuchlerisch moralisiert (die armen opfer, die armen angehörigen), und dann wird die politische meinung ausgebreitet, die mit dem eigentlichen thema gar nichts zu tun hat.
über kapitalismus- und systemkritik und über die vorstellung einer gerechten gesellschaft lässt sich natürlich viel diskutieren, aber doch nicht auf diesem niveau. von beiden seiten kommen nicht mehr als phrasen und angebliche beweise für die wahrheit der eigenen meinung (niemals wird auf veröffentlichungen verwiesen, woraus die vermeintlichen thesen bezogen werden!). anstatt fundierter analysen finden sich hier häufig nur verbitterung und aggression.

Herr Gaenger schreibt
"Liebe Redaktion, bitte diesen widerwärtigen Leserbrief von Herrn Rieler löschen, da er die Morde der RAF rechtfertigt."
Lieber Hr. Gaenger, ich bin zwar durchaus auch ihrer Meinung das sich Hr. Rieler ein wenig auf Irrwegen befindet, aber hier herrscht doch immer noch Meinungsfreiheit! Sie wollten hoffentlich nur sagen das er versucht die Morde der RAF zu rechtfertigen (und damit scheitert) - nicht das er sie tatsächlich rechtfertigt, denn gelänge ihm dies hätte er ja recht.

... dann bitte mit voller Konsequenz. Das bedeutet u. a. nicht die plattenWorthülsen einer pseudowissenschaftlichen Linken zu übernehmen, sondern sich einer Sprache zu bedienen, die auch tatsächlich analytisches Denken unterstützt. Von ihrem Text, kann sich niemand eine Kante abschneiden, noch etwas kaufen. (sich" etwas dafür kaufen zu können" bitte jetzt als Redewendung zu verstehen und nicht als Ausdruck meiner individuellen monokapitalistischen Verblendung durch den Materialismus, gell?)
Warum die RAF noch diskutiert wird? Weil sie das sensible Verhältnis Deutschlands zu Politik und Gewalt mächtig störte. Ist es denn ein Wunder nach Faschismus (und Kommunismus)?
Die RAF bekämpfte nach ihrer eigenen Definition den Faschismus und sah nicht, dass sie in ihrer psychologischen Struktur selbst faschistisch war. Traurig und tötlich aber wahr. Silke Maier-Witt scheint sich dessen bewußt zu sein, will aber scehinbar ncoh nicht ganz wahr haben, dass die Taten der RAF in einem historischen Kontext gesehen werden. Leider spricht die Geschichte nie frei, sondern interpretiert, letztendlich, immer nur die Konflikte der Gegenwart mit der Vergangenheit.