01. Dezember 2005 Politiker und Hilfsorganisationen haben zum Welt-Aids-Tag an diesem Donnerstag die immer stärkere Bedrohung für Frauen und Jugendliche hervorgehoben. Jede zweite HIV-Infektion trifft inzwischen einen jungen Menschen.
700.000 Kinder haben sich in diesem Jahr neu infiziert, die meisten schon vor oder bei der Geburt. Insgesamt müssen 2,3 Millionen Kinder mit dem Virus leben. Auf diese Zahlen wies Unicef hin. Auch in Deutschland ist die Zahl der Neuinfektionen in diesem Jahr um 30 Prozent gestiegen.
Weit verbreitete Unkenntnis
Doch noch immer wissen viele junge Menschen nicht, wie HIV übertragen wird und wie man sich schützen kann. Nach Angaben von Unicef gilt das zwar vor allem für das südliche Afrika. Aber selbst in Deutschland sei vielen jungen Leuten unbekannt, daß man sich bei einem infizierten Partner auch dann anstecken kann, wenn die Krankheit bei ihm noch nicht ausgebrochen ist.
Auf der ganzen Welt sind 40,3 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Nach Angaben von UN-Aids starben im Jahr 2005 schon mehr als drei Millionen Menschen an den Folgen der Krankheit. Mehr als 15 Millionen Kinder verloren Mutter, Vater oder beide Elternteile durch Aids. In Deutschland haben sich seit Beginn der Epidemie in den achtziger Jahren 75.000 Menschen mit dem Virus angesteckt, 26.000 von ihnen starben.
Katholische Kirche hilft und mahnt
Auch Papst Benedikt XVI. hat am Mittwoch sein Mitgefühl mit Aids-Kranken und ihren Familien geäußert. Die Ausbreitung der Krankheit sei alarmierend, sagte der Papst bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. Die Kirche habe die Betreuung der Kranken stets als Teil ihrer Mission angesehen.
In einer Mitteilung zum Welt-Aids-Tag schrieb der Vorsitzende des päpstlichen Gesundheitsrates, Kardinal Lozano Barragan, die Verbreitung von Aids sei dadurch gefördert worden, daß die Sexualität auf eine einfache Vergnügung ohne Bedeutung reduziert werde. Eine wirkliche Vorbeugung gegen eine Aids-Infektion sieht Barragan im richtigen Umgang mit der Sexualität, die einzig an die Ehe gebunden sei.
Strategie der Aufklärung
Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, äußerte sich besorgt über die vielen Neuinfektionen: Mit dieser Entwicklung dürfen wir uns nicht abfinden. Aufklärung und Information seien die wirksamste Strategie gegen die Verbreitung der Seuche.
Das entwicklungspolitische Kinderhilfswerk terre des hommes hob hervor, der schwache ökonomische und soziale Status von Frauen und Mädchen in vielen Ländern verhindere, daß sie sich schützen könnten. Viele müßten sich prostituieren, um ihre Familien zu ernähren, würden Opfer von sexueller Gewalt und Menschenhandel oder steckten sich bei ihren Ehemännern an, die außereheliche sexuelle Kontakte hatten. Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) wies darauf hin, daß der Kampf gegen die tödliche Epidemie untrennbar verbunden sei mit dem Kampf gegen Armut und Unterentwicklung. Wie Aids greife auch die Tuberkulose in Afrika um sich. Zudem sei die Tuberkulose inzwischen die häufigste Todesursache bei Aids-Patienten.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb