UN-Mission in Kongo

Der deutsche Feuerlöscher

Von Thomas Scheen, Kinshasa

„Ein Blauhelm ist immer auch ein Diplomat”

„Ein Blauhelm ist immer auch ein Diplomat”

31. Juli 2006 Nach der friedlich verlaufenen Wahl in Kongo hat der stellvertretender Direktor der politischen Abteilung der Mission der Vereinten Nationen für Kongo ( Monuc) , Albrecht Conze, die Rolle der EU-Soldaten gelobt. Die Truppe, zu der auch Bundeswehrsoldaten gehören, habe vor allem eine „politisch-psychologische Rolle“ gespielt, sagte deutsche Diplomat. „Es ist wichtig, daß hier noch eine letzte Instanz zur Verfügung steht und daß man insbesondere in Kinshasa für den Fall des Falles weiß: Man darf hier als schlechter Verlierer der Wahlen nicht überziehen“, sagte Conze.

Zugleich mahnte der Monuc-Vertreter in dem afrikanischen Land zur Wachsamkeit in den kommenden Monaten. Es komme eine Zeit, „in der man politisch, aber auch was die Sicherheit betrifft, ein waches Auge haben muß“. Da die Ungeduld der Wähler nun groß sei, könnten einige Kandidaten in den zwei bis drei Wochen der Stimmauszählung sich vorschnell als Wahlsieger ausrufen.

„Dinge beim Namen nenen“

Albrecht Conze ist vermutlich der bekannteste Deutsche in Kongo. Das hat zwei Gründe: zum einen seine Arbeit als UN-Vertreter und zum anderen die Art, wie er dieser Arbeit nachgeht. Denn für einen Diplomaten, der von Berufs wegen zur Verschwiegenheit neigen muß, ist Conze ungewöhnlich auskunftsfreudig und direkt. Nicht zuletzt deshalb ist der promovierte Völkerrechtler zur bevorzugten Anlaufstelle für all jene in Kinshasa geworden, die mehr über Kongo erfahren wollen. „Wer in diesem Land die Dinge nicht beim Namen nennt, lügt eigentlich schon“, erklärt Conze seine Vorliebe für deutliche Worte.

Conzes Urteil war gefragt, als die Debatte über den Einsatz der Bundeswehr in Kongo begann. Er war es, der im Auftrag der Vereinten Nationen in Berlin für eine deutsche Beteiligung an Eufor warb. Gleichzeitig aber haben ihn die immer wiederkehrenden Fragen nach den Gefahren für die Bundeswehr irritiert. Aus anderen Ländern, so Conze, kenne er das nicht. „Da wird ein politischer Auftrag formuliert, und der wird ausgeführt.“

„Man muß das Feuer hier löschen“

Die Irritation hängt wohl auch damit zusammen, daß Conze ein Engagement in Afrika für selbstverständlich hält und eine deutsche Beteiligung daran eine ebenso selbstverständliche Sache werden sollte. „Wir brauchen mehr politisches Verständnis für Afrika“, sagt er und zollt Bundespräsident Köhler Respekt, weil der versuche, den schwarzen Kontinent auf die deutsche Agenda zu setzen. „Man muß das Feuer hier löschen, sonst springt der Funke nach Europa“, sagt er und meint damit die nicht versiegenden Flüchtlingsströme.

Der 52 Jahre alte Conze gehört zur „Reserve des Auswärtigen Amtes für internationale Aufgaben“. Er absolvierte klassische Stationen wie Abrüstung in Wien, China und Polen. Bis der damalige Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Ischinger, ihn im Sommer 1999 „quasi über Nacht“ nach Kosovo schickte in die UN-Mission, die aus dem Boden gestampft werden mußte. Was er dort sollte, wußte Conze zunächst nicht. Er erhielt den Auftrag, neue Pässe und neue Nummernschildern einzuführen. „Nicht eben das, was man auf der Diplomatenschule lernt“, sagt Conze dazu.

In Kongo, wo er seit Anfang 2004 für die UN tätig ist, arbeiten ihm 50 meist junge Politologen aus 22 Nationen zu. Seine Abteilung muß dem Sicherheitsrat im sechsmonatigen Rhythmus Ergebnisse vorlegen. „Das ist ein richtiger Geschäftsplan, der abzuarbeiten ist“, beschreibt Conze den Reiz dieser Arbeit. Kein Vergleich zum geduldigen Voranbringen von Dossiers im klassischen diplomatischen Dienst.

„Auftrag, sich einzumischen“

Dennoch ist es für deutsche Diplomaten immer noch nicht ganz leicht, sich auf das Niveau vorzuarbeiten, auf dem Conze bei den Vereinten Nationen dient. „So einen Posten, den muß man schon wollen“, sagt er. Ein Franzose oder Brite hätte es da leichter - „es hilft eben, wenn man ständig dem Sicherheitsrat angehört.“

In wenigen Wochen soll Conze deutscher Botschafter in Benin werden. Es wird vermutlich nur ein Durchlaufposten für die nächste UN-Mission sein. Denn seit Kosovo und ganz besonders seit Kongo liebt er seinen Blauhelm. Das soll so bleiben. „Ein Blauhelm ist immer auch ein Diplomat“, sagt Conze, „aber einer, der den Auftrag hat, sich einzumischen. Darin liegt die Faszination.“

Text: F.A.Z., 31.07.2006, Nr. 175 / Seite 8
Bildmaterial: dpa

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