Unicef hat neuen Vorstand

Hilfswerk kann sich wieder um Kinder kümmern

Neuer Vorstand, neuer Anfang? Für die Kinder der Welt

Neuer Vorstand, neuer Anfang? Für die Kinder der Welt

10. April 2008 Nach dem Skandal um das Finanzgebaren von Unicef hat die Hilfsorganisation einen neuen achtköpfigen Vorstand gewählt. Dies teilte ein Sprecher am Donnerstagabend mit. Die Vorgänger waren geschlossen zurückgetreten. „Die Wahl ist ein wichtiger Meilenstein für die personelle Erneuerung und die anstehenden Reformen“, erklärte die Organisation in Berlin.

Sprecher Rudi Tarneden sagte der AP zum Verlauf der außerordentlichen Mitgliederversammlung, deutlich sei der Wille zu spüren, aus der Krise herauszukommen. „Die Stimmung ist ganz gut, und natürlich auf Grund der Umstände konzentriert und ernst“, sagte er. Es sei im Verlauf des Nachmittags eine offene Diskussion entstanden, bei der die Krise analysiert wurde. Auch Wege zu mehr Transparenz seien besprochen worden, hier seien sich die Mitglieder weitgehend einig gewesen.

„Vertrauen zurückgewinnen“

Gehört dem Vorstand der Unicef an: Sporthilfe-Chefin Ann Kathrin Linsenhoff

Gehört dem Vorstand der Unicef an: Sporthilfe-Chefin Ann Kathrin Linsenhoff

Dem neuen ehrenamtlichen Vorstand gehören den Angaben zufolge die Grünen-Politikerin Ekin Deligöz, der Manager Jürgen Heraeus, der Diplomat Dieter Kastrup, der UN-Experte Tom Koenigs, der Hamburger Reeder Peter Krämer, die Reiterin Ann Kathrin Linsenhoff, die Grünen-Politikerin Anne Lütkes und die Journalistin Maria von Welser an. Im Vorstand arbeiteten zudem zwei Mitglieder aus dem Beirat der ehrenamtlichen Arbeitsgruppen mit: Carmen Creutz und Andrea Flory-Tilgner.

Unicef-Botschafterin Sabine Christiansen hatte vor der Mitgliederversammlung gesagt, es gehe darum, den Kindern wieder eine Stimme zu geben. „Da muss jetzt Vertrauen zurückgewonnen werden“, sagte Christiansen. Sie sei wütend und enttäuscht gewesen, als sie von den Vorgängen erfahren habe, glaube aber an die Arbeit von Unicef. Der neue Vorstand müsse sich mit der Arbeit voll identifizieren und glaubwürdig sein, betonte auch der Interimsvorsitzende Reinhard Schlagintweit. Andere Komitee-Mitglieder hoben den Bedarf an Information und Transparenz hervor. Es gelte, dies nach außen und innen wieder in den Vordergrund zu stellen, sagte Lütkes, ehemalige Justizministerin von Schleswig-Holstein. „Wir sind alle entschlossen, Verantwortung für Unicef zu übernehmen.“

Spendensiegel frühestens 2010 zurück

Unicef Deutschland war im Februar wegen eines undurchsichtigen Finanzgebarens in Verruf geraten. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen entzog dem Kinderhilfswerk daraufhin das Spendensiegel. Geschäftsführer Dietrich Garlichs legte sein Amt nieder, die Vorsitzende Heide Simonis trat unter Verweis auf unüberbrückbare Meinungsunterschiede zurück. Zahlreiche Mitglieder verließen die Organisation, die Spendeneinnahmen gingen zurück.

Schlagintweit bekannte, dass ein schwerer Fehler gemacht worden sei. Von einer Affäre wollte er indes nicht sprechen. Um künftig transparenter und effizienter zu arbeiten, sollen nach seinen Worten Kontrollmechanismen verbessert und Haushaltspläne verfeinert werden. Der Geschäftsführer werde künftig nicht mehr dem Vorstand angehören, möglicherweise würden auch die Strukturen innerhalb des Komitees verändert. Lütkes nannte das Vier-Augen-Prinzip als wichtiges Kontroll-Instrument. Das Spendensiegel kann Unicef Deutschland Schlagintweit zufolge frühestens 2010 zurückerhalten. Der neue Unicef-Vorstand will am Freitag zusammen treten und im Anschluss auf einer Pressekonferenz über die Ergebnisse informieren.

Text: FAZ.NET mit AP
Bildmaterial: ddp, dpa

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