Terrorbotschaften

Drohungen in Frageform

Von Georg Paul Hefty

“Eine Nachricht an die Regierungen von Deutschland und Österreich“

"Eine Nachricht an die Regierungen von Deutschland und Österreich"

12. März 2007 Deutschlands Sicherheit werde am Hindukusch verteidigt, hatte Peter Struck gesagt. Und jetzt wagt er mit Blick auf einen Sieg über die Taliban die Voraussage: „Das kann noch ein Jahrzehnt dauern.“ Zusammengerechnet ergibt das eine Zeitspanne von eineinhalb Jahrzehnten, in denen Deutschland eine außerordentliche, der Bevölkerung nicht ohne weiteres verständliche Last trägt.

Wem sie geschuldet ist und wer sie verursacht hat - darüber gehen die Meinungen im Bundestag auseinander, wenn man die Argumentationsketten zum Tornado-Einsatz in Afghanistan heranzieht. Die Mehrheit meint, sie sei der Bündnisfähigkeit Deutschlands geschuldet und sei von den Taliban und deren terroristischem Umfeld verursacht. Die Minderheit erkennt beides an, zieht aber andere Schlüsse daraus.

Bekämpfung an der politischen Wurzel

Diese Minderheit mit allen Mitteln zur Mehrheit zu machen ist offensichtlich das Ziel einer Drohbotschaft des „Stimme-des-Kalifats-Kanals“, die am Tag nach dem Tornado-Beschluss im Internet auftauchte und neben Deutschland auch gleich an Österreich gerichtet ist (siehe auch Terrordrohung gegen Deutschland und Österreich und Extremisten-Video zielt auf deutsche Zuschauer).

Die Taliban und deren Gefolge schätzen die Bedeutung der Tornado-Aufklärung für die militärische Entscheidung in Afghanistan allem Anschein nach so hoch ein, dass sie diese sozusagen an der politischen Wurzel, also in Deutschland, bekämpfen wollen. Die Forderung nach einem sofortigen Rückzug wird mit Bildern der Bundeskanzlerin und ihrer Minister illustriert. Im Falle Österreichs werden Aufnahmen touristischer Ziele eingesetzt, die ahnen lassen sollen, dass Letztere auch mit großem Aufwand nicht gegen Anschläge gesichert werden können.

Die Bundesregierung scheint fest entschlossen

Die Drohung ist in Frageform gekleidet: Warum sollte Deutschland „all seine wirtschaftlichen Interessen gefährden...“? Daraus könnte herauszuhören sein, dass nicht Einzelpersonen oder Kulturgüter bedroht seien, sondern die Infrastruktur und die Industriestruktur Deutschlands.

Psychoterror folgt denselben Gesetzen wie der blutige Terror: Er kann Angst hervorrufen, aber auch Widerstandskraft. Ob er historischen Erfolg hat, entscheidet sich daher nicht an seinen Taten, sondern an den Taten seiner Gegner. Die Bundesregierung scheint fest entschlossen zu sein, sich in der Aufbauarbeit in Afghanistan nicht beirren zu lassen. Über den Erfolg entscheidet die dortige Bevölkerung.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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