George W. Bush hat mit einem symbolträchtigen Überraschungsbesuch im Irak gepunktet. Diesmal war es kein angekündigter Mediencoup wie die Landung auf dem Flugzeugträger Abraham Lincoln am 1. Mai, bei der Präsident das Ende der größeren Kampfhandlungen im Irak verkündete. Diesmal war es eine streng geheime Kommandoaktion, mit der Bush den Amerikanern und der Welt beweisen wollte, daß die Vereinigten Staaten sich nicht von Terroranschlägen im Irak abschrecken ließen.
Der Besuch war nach amerikanischen Medienberichten so strikt geheim gehalten worden, daß selbst First Lady Laura Bush erst am Dienstag darüber informiert wurde. Mit einen unauffälligen Wagen verließ Bush am Mittwochabend seine Ranch in Texas und wurde zum Flughafen gebracht. Noch während des Flugs soll es die Anweisung gegeben haben, daß die Präsidentenmaschine sofort umkehren werde, sollte etwas über den Überraschungsbesuch vorab bekannt werden.
Der Historiker Douglas Brinkley sprach am Donnerstag im Nachrichtensender CNN von einem gelungenen Überraschungsschlag. Kaum jemand könne es dem Präsident absprechen, mit seinem Kurzbesuch in Bagdad ein Zeichen gesetzt zu haben. Unter dem tosenden Applaus der Soldaten, die ebenfalls völlig überrascht worden waren, erklärte der Präsident, sie verteidigten die Freiheit und Amerika sei stolz auf ihre Arbeit. Zugleich bekräftigte Bush, die Vereinigten Staaten hätten Saddam Hussein nicht unter großen Opfern gestürzt, nur um nun einfach wieder zu gehen.
Oder in Bushs Worten: Wir werden siegen. Wir werden gewinnen, weil unsere Sache gerecht ist, betonte Bush vor jubelnden Soldaten des 2. Panzerkavallerie-Regimentes. Die amerikanischen Truppen würden auch aus dem Grund siegen, weil die Iraker Frieden wollten. Wir sind nicht hunderte von Meilen in das Herz von Irak gestürmt und haben bittere Verluste auf uns genommen (...), um uns vor einer Bande von Schlägern und Attentätern zurückzuziehen.
Der Besuch an dem für die Amerikaner so wichtigen Thanksgiving-Familienfest war zu einem für den Präsidenten wichtigen Zeitpunkt angesetzt. In Umfragen bekunden immer mehr Amerikaner Unzufriedenheit mit der Situation im Irak und den täglichen Übergriffen auf amerikanische Soldaten. Auch die Zufriedenheit mit Bush ist deutlich gesunken. Ob geplant oder ungeplant - Bush konnte zugleich auch den oppositionellen Demokraten den Wind aus den Segeln nehmen. Der für Freitag angekündigte Bagdad-Besuch der demokratischen Senatorin und früheren First Lady Hillary Clinton verblaßt gegen den Besuch des Präsidenten.
Doch Beobachter verwiesen auch darauf, daß ein kurzer Besuch im Irak nicht mit einem Schlag alles ändern werde. Die amerikanischen Truppen im Irak müßten weiter mit Widerstand rechnen, und auch der erwartete Popularitätsanstieg für Bush könne schnell wieder vorüber sein. Sie verwiesen dabei auf den früheren Präsidenten Lyndon B. Johnson, der bei einer spektakulären Reise die Truppen im Vietnam besuchte, dann aber bei der Wahl klar Richard Nixon unterlag.
Text: dpa, AFP
Bildmaterial: AP