Pisa-Studie 2006

Empörung über OECD-Koordinator

Von Heike Schmoll, Berlin

Steht in der Kritik: Andreas Schleicher

Steht in der Kritik: Andreas Schleicher

29. November 2007 Finnland liegt nach der Pisa-Studie 2006 der OECD für 15 Jahre alte Schüler mit Schwerpunkt Naturwissenschaften auf dem ersten Platz, gefolgt von Hongkong und Kanada. Deutschland erzielte zum ersten Mal bessere Ergebnisse als der OECD-Durchschnitt und liegt auf dem 13. Platz. Dies ist durch eine Vorveröffentlichung in einer spanischen Lehrerzeitung bekanntgeworden. Die offizielle Bekanntgabe der Pisa-Ergebnisse folgt erst am Dienstag. Die Pisa-Studie gründet auf Untersuchungen, die im Jahre 2006 in 57 Ländern gemacht wurden. Nach den Schwerpunkten Lesen bei Pisa 2000 und Mathematik bei Pisa 2003 wurden dieses Mal die naturwissenschaftlichen Fähigkeiten der Schüler am Ende der Pflichtschulzeit getestet.

Bei der Konferenz der Kultusminister (KMK) sorgt nicht allein die Durchbrechung der Sperrfrist für Unmut. Weit größere Empörung rief abermals der deutsche OECD-Koordinator Andreas Schleicher hervor, der auch noch die vorveröffentlichten Pisa-Ergebnisse kommentiert und behauptet hatte, die deutschen Schüler seien nicht besser geworden, weil sich die Tests aus den vergangenen Jahren nicht unmittelbar mit der neuesten Pisa-Studie vergleichen ließen. Das jüngste Testverfahren habe bestimmte Stärken deutscher Schüler begünstigt, sagte Schleicher.

OECD soll aus Schleichers Verhalten Konsequenzen ziehen

Der Generalsekretär der KMK, Thies, bezeichnete das Verhalten Schleichers als politischen Skandal und forderte die OECD auf, daraus Konsequenzen zu ziehen. Wenn ein OECD-Mitgliedsland die Sperrfrist durchbreche, könne es sanktioniert werden, die OECD selbst jedoch nicht. Die hessische Kultusministerin Wolff (CDU) forderte als Koordinatorin der unionsgeführten Länder die Entbindung Schleichers von seinen Aufgaben. Der OECD-Koordinator könne es wohl „aus ideologischen Gründen“ nicht ertragen, wenn Deutschland durch erhebliche pädagogische Reformen besser geworden sei und sich nicht auf das Gleis der Schulstrukturdebatten begeben habe.

Es sei nicht hinzunehmen, dass Schleicher seiner persönlichen Anschauung mehr Bedeutung beimesse als den empirischen Daten, die nicht einmal veröffentlicht seien. Auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, äußerte sich empört über Schleicher. Für diesen seien offenbar nur schlechte deutsche Ergebnisse wirklich gute Ergebnisse. Im Übrigen müsse sich die OECD fragen lassen, warum sie einen Test konstruiere, der über drei Jahre hinweg nicht vergleichbar sei. Wenn das wirklich zuträfe, hätte die „ganze Pisa-Testerei“ die Hälfte ihres Werts eingebüßt.

Aktuelles Ergebnis kein Anlass zur Selbstzufriedenheit

Deutschlands Schüler hätten sich binnen drei Jahren in den Naturwissenschaften von einem Platz im Mittelfeld auf einen Platz im vorderen Viertel vorgearbeitet, sagte Kraus. Bei Pisa 2003 waren die Deutschen unter 40 beteiligten Ländern und Regionen auf Platz 18 gelangt, bei Pisa 2006 auf Platz 13 unter 57 beteiligten Ländern. Nach den aufgeregten Debatten über die früheren Pisa-Ergebnisse könne jetzt endlich Rationalität in die Bildungsdebatte einkehren.

Das aktuelle Ergebnis sei zwar kein Anlass zur Selbstzufriedenheit, aber die üblichen schulpolitischen Patentrezepte und den oft genug praktizierten Missbrauch von Pisa müsse die deutsche Öffentlichkeit jetzt hinter sich lassen, sagte Kraus. Nun gelte es, die seit Pisa 2000 eingeschlagenen Wege weiterzubeschreiten und an konkreten Schritten zur Verbesserung der Lehrerversorgung und des Unterrichts zu arbeiten. Unterdessen warnte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Kultusminister vor zu viel Euphorie. Die großen Probleme des deutschen Schulsystems seien noch nicht gelöst.

Text: F.A.Z.

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