04. Januar 2008 Reiseveranstalter aus mehreren europäischen Ländern haben ihre Urlauber aus Kenia zurückgerufen. Die Außenministerien in Berlin und anderen europäischen Ländern hatten zuvor von nicht notwendigen Reisen nach Kenia dringend abgeraten. Einige Anbieter haben vorläufig weitere Reisen in das ostafrikanische Land ganz ausgesetzt.
Die Tourismusindustrie in Kenia ist zunehmend besorgt über langfristige Folgen des politischen Konflikts, nachdem Präsident Mwai Kibaki an die Macht zurückkehrte. Die nächsten 24 Stunden werden entscheidend sein, ob wir den Touristikbereich retten können, betonte in Kenia Khalid Shapi, Geschäftsführer eines Veranstalters von Safarireisen, in einem am Freitag in der Zeitung Daily Nation veröffentlichten Bericht.
Kostenlose Stornierungen sind möglich
Touristen, die bereits im Land sind, verlassen Kenia vorzeitig, klagte Kuldip Sondhi, Vorsitzender des Touristikverbands an der Küste und selbst Besitzer einer Hotelgruppe. Wenn das Chaos in der nächsten Woche anhält, können wir dem Tourismus Lebewohl sagen. Hotelbetreiber berichteten von zahlreichen Stornierungen. Sollten sich die Herkunftsländer der Urlauber entschließen, alle Touristen auszufliegen, wäre das ein harter Schlag für eine der wichtigsten wirtschaftlichen Säulen des Entwicklungslandes.
Die größten deutschen Veranstalter blieben am Freitag bei ihrer am Mittwoch beschlossenen Linie, Kenia-Gästen wegen der Ausschreitungen im Land zwar kostenlos Umbuchungen und Stornierungen zu ermöglichen, grundsätzlich an den Reisen aber festzuhalten. Bei der Tui Deutschland, wo Kenia-Touren mit Abreise bis einschließlich 13. Januar abgesagt oder umgebucht werden können, nahmen etwa 100 Kunden das Angebot an. Einige Anbieter in Deutschland strichen jedoch von sich aus Kenia-Reisen bis Ende Januar oder Anfang Februar.
Küsten und Nationalparks angeblich sicher
Britische Reiseunternehmen setzten Kenia-Reisen zunächst bis zu diesem Montag aus. Schwedische Unternehmen wollen für den gesamten Rest der Wintersaison, die bis in den April dauert, auf das Reiseziel verzichten. Am Flughafen in Mombasa nahm eine Maschine schon Urlauber aus Frankreich für den vorzeitigen Heimflug auf. Britische, niederländische und schwedische Reiseveranstalter wollen die Touristen bis zu diesem Samstag mit Chartermaschinen zurückholen.
In Kenia ist derzeit Hauptsaison. Im afrikanischen Sommer wollen zahlreiche Urlauber dem kalten Europa entfliehen und besuchen die Strandhotels am Indischen Ozean oder die Nationalparks im Landesinneren. Auch in Mombasa, der wichtigsten Küstenstadt, war es in den vergangenen Tagen nach den umstrittenen Präsidentenwahlen zu Unruhen gekommen. Der Sprecher des kenianischen Fremdenverkehrsbüros in Deutschland, Birger Meierjohann, betonte jedoch auf der Touristikmesse Chemnitzer Reisemarkt: Die Unruhen sind in den Städten, die Küsten und Nationalparks sind sicher. Für die Urlauber bestehe keine Gefahr, auch nicht bei der An- und Abreise. Meierjohann räumte aber ein, dass das Land einen herben Imageschaden erleide.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS