Zentralrat der Juden

„Holocaust und Vertreibung moralisch nicht parallelisieren“

22. Oktober 2007 Der Zentralrat der Juden hat den Bund der Vertriebenen anlässlich seines 50. Jahrestags aufgefordert, „nationalistische Eintrübungen“ endgültig abzulegen. Der Jahrestag sei eine „große Chance, in vielem politisch 'reinen Tisch' zu machen“, sagte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, am Montag dem Internetdienst „Netzeitung“.

Der Bund der Vertriebenen begeht am Montag mit einem Festakt in Berlin sein 50-jähriges Bestehen. Bei der Feierstunde im Berliner Kronprinzenpalais wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Festrede halten. (Siehe auch: Bund der Vertriebenen - Tor der Erinnerung)

„Gemeinsames Erinnern ein Stück Annäherung“

Graumann sagte weiter, er würde es begrüßen, wenn der Vertriebenenbund „mit der unseligen Tradition“ brechen könnte, „den Holocaust und die Vertreibung moralisch zu parallelisieren und gleichmacherisch behandeln zu wollen“. Wenn er „dann sogar noch das Gedenken an das ernste Schicksal der Vertreibung in einen gesamteuropäischen Kontext stellen könnte, dann wäre das noch viel besser“, ergänzte der Zentralratsvizepräsident.

Graumann äußerte die Hoffnung, dass sich der BdV von allen Forderungen an die Nachbarländer formell verabschiedet, „auch von den unheilvollen Aktivitäten der Preußischen Treuhand“. Ein „perfektes Geburtstagsgeschenk“ des Bundes der Vertriebenen „an uns alle und auch an sich selbst“ wäre nach Ansicht Graumanns daher, das Gedenken an Vertreibung nicht als Anlass und Objekt von Streit und Provokation gegenüber Polen und Tschechien zu sehen. Es sei stattdessen eine „immense Chance, im gemeinsamen Erinnern ein Stück Annäherung und eine friedvolle Zukunftsperspektive zu gewinnen“.

Zentrum gegen Vertreibungen in der Kritik

Ende Oktober 1957 hatten sich der damalige „Bund der vertriebenen Deutschen“ und die „Vereinigten Ostdeutschen Landsmannschaften“ zum BdV zusammengeschlossen.

Die Forderungen der deutschen Vertriebenen haben immer wieder zu Belastungen im Verhältnis zu den osteuropäischen Nachbarn geführt. So stößt etwa das von BdV-Präsidentin Erika Steinbach geplante Zentrum gegen Vertreibungen in Polen auf heftige Kritik.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Helmut Fricke

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche