Koalitionsoptionen

Wahlszenarien: Was wäre wenn?

Merkel im Wahlkampf: Gelbe und rote Optionen?

Merkel im Wahlkampf: Gelbe und rote Optionen?

12. September 2005 In einer Woche wird gewählt, und die Demoskopen sehen ein Patt. Wie ist die Lage, was wird passieren?

Stand der Dinge:

Gut eine Woche vor der Wahl haben die Unionsparteien bei allen Umfrageinstituten weiter an Zustimmung verloren, vor allem: Die SPD hat weiter zugelegt. Eine schwarz-gelbe Mehrheit gäbe es derzeit nicht. Rechnerisch wären eine große Koalition oder eine Koalition SPD/Grüne/Linkspartei mehrheitsfähig. Innerhalb von drei Monaten haben sich die Umfragewerte der Parteien damit gewandelt: von einem kräftigen Vorsprung für die Union, der ihr im Bundestag wohl eine absolute Mehrheit beschert hätte, über ein klares Votum für Schwarz-Gelb bis hin zu einer unübersichtlichen Situation ohne klare Mehrheit.

Elefanten:

Das spiegelt sich auch in den Vorstellungen der Bürger darüber, welche Zusammensetzung der Bundesregierung besser für das Land wäre. Sie haben sich gegenüber der Vorwoche weiter verschoben. In den Erhebungen von Infratest gaben 36 Prozent an, daß eine große Koalition „am besten für Deutschland wäre“ (ein Plus von drei Punkten); nur noch 29 Prozent (und damit sechs Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche) nennen Schwarz-Gelb.

Volatil:

Besonders auffällig, so erklären etwa die Demoskopen von Infratest, seien die zunehmenden Tagesschwankungen bei der Befragung der Wähler. Dies habe sowohl mit der großen Zahl der Unentschiedenen (etwa 22 Prozent) zu tun als auch damit, daß relativ viele Wähler sich mit der Entscheidung dieses Mal besonders schwertäten. Immerhin 46 Prozent der Befragten hätten angegeben, die Wahlentscheidung sei ihnen noch nie so schwergefallen wie dieses Mal.

Populär, unpopulär:

Die Zugewinne der SPD beruhen nach Angaben der Meinungsforscher vor allem auf verbesserten Werten für Gerhard Schröder, offenbar eine Folge des TV-“Duells“. Bei einer Direktwahl könnte der Kanzler das Rennen gegen Angela Merkel laut Forschungsgruppe Wahlen mit 53:40 Prozent für sich entscheiden - ein Zugewinn von vier Punkten. Bei inhaltlichen Fragen machte die SPD überall Boden gut, am deutlichsten bei der Steuerpolitik, wo die Union laut Infratest vor einer Woche einen Vorsprung von 19 Punkten (42:23 Prozent) hatte - und die beiden Parteien nun mit jeweils 35 Prozent gleichauf liegen. Ein Grund, mutmaßlich: Paul Kirchhof. Dessen Steuermodell, so Infratest, hält nur ein Drittel der Bürger für gerecht.

Zahlenjunkies, aufgepaßt:

ARD und ZDF haben sich freiwillig dazu verpflichtet, in den letzten Tagen vor der Wahl keine Umfragen der für sie arbeitenden Institute mehr zu veröffentlichen. Eine gesetzliche Regelung gibt es nur für den Wahltag selbst. Laut Bundeswahlgesetz ist die „Veröffentlichung von Ergebnissen von Wählerbefragungen nach der Stimmabgabe über den Inhalt der Wahlentscheidung“ für die Zeit vor 18 Uhr untersagt. Von anderen Pulsnehmern sind derweil neue Zahlen zu erwarten; bei Forsa etwa heißt es: „Wir gehen davon aus.“

Text: bpe., Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.09.2005, Nr. 36 / Seite 2
Bildmaterial: AP

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