Will Ausbeuterei notfalls mit Gesetzen verhindern: Franz Müntefering

Arbeitsmarkt

Generation tolles Praktikum

Die Politik hat das schwere Los der Praktikanten als Thema entdeckt. Eine Umfrage und der Blick in Internetforen zeigt aber: Nicht alle Praktikanten sind unzufrieden. Schwarze Schafe finden sich eher unter den kleinen Unternehmen.

Lesermeinungen zum Beitrag

18. September 2006 16:30

und so hilflos sind wir nun wirklich nicht...

M. Krcmar (absolvent2)

Denn auch wenn wir wenig Einfluß auf die Arbeit unserer sogenannten "Volksvertreter" haben, mächtig sind wir als Konsumenten.
Dass Esprit seine Kollektionen fast vollständig von Hochschulabsolventen (Designer) für ein monatliches Praktikantengehalt von 300€ (!!!) entwerfen lässt, hat für mich persönlich die Konsequenz gehabt, dass ich auf andere Marken umgestiegen bin. Esprit könnte m. E. ohne weiteres befristete Einstiegsverträge i.R.v. 1200-1500€ brutto anbieten, das ist immer noch gerade ausreichend zum Leben.
Auf diesen für mich völlig unverständlichen und selbst den niedrigsten angesetzten Moralvorstellungen eines normal gebildeten Bürgers zuwider laufenden Geiz reagiere ich als Konsument. So, wie ich, wenn ich die Wahl habe, Bio- und Transfair-Produkte kaufe. Man kann zwar nicht alle Geschäftspraktiken kennen, aber man kann wenigstens Augen und Ohren offen halten.
Wer seine gesellschaftliche Verantwortung z.B. als Konsument nicht wahrnimmt, braucht m.M. nach auch nicht zu schreien, wenn unmoralischer Verhalten anderer ihn schädigt.

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15. September 2006 14:21

Alles hat zwei Seiten

Jürgen Schnurr (JuergenSchnurr)

Als ich mein Ingenieursstudium fertig habe, habe ich keinen Arbeitsplatz bekommen.

Es ist mir damals auch nicht gelungen über eine Fortbildungsmaßnahme einen Praktikumsplatz zu bekommen. Ich hätte gerne einen gehabt, weil es mich mit dem versorgt hätte was mir am dringesten fehlte, Berufspraxis.

Wenn ein Unternehmen Praktikanten ausbeutet, schadet es sich vor allem selbst. Man schafft sich "Freunde" fürs Leben und zerstört das Betriebsklima.

Wenn ein Unternehmen gute Praktikanten nicht an sich bindet, dann kann man auch nicht helfen.

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15. September 2006 12:52

Nicht alle Praktikanten sind unzufrieden...

Andreas Weber (atweber)

schreibt die FAZ auf Basis von etwas mehr als 650 Aussagen von Praktikanten. Etwas weiter heisst es, dass alleine BMW in einem Jahr mehr als 3.500 Praktikanten hat. So viel zu Relation - d.h. auch nichts mehr mit "nicht respräsentativ" zu tun, sondern mit Verdummung.

Dem Praktikanten, der eigentlich ein vollwertiger befristetet angestellter Arbeitnehmer ist, geht es in den Unternehmen mit hohem Fürsorgeverständnis oder starkem Betriebsrat einigermassen gut - sofern man für dies bei einem Monatsgehalt in Höhe von etwa 1.800 EUR (brutto) für einen in Deutschland an einer Universität ausgebildeten Diplom-Ingenieur, beschäftigt bei einem börsennotierten Konzern so nennen kann.

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15. September 2006 12:08

Lernender oder kostenloser Arbeiter?

Jens Hornbruch (jhgeo)

Beim Praktikum kommt es wohl in erster Linie darauf an, welche Ziele dadurch verfolgt werden. Bin ich in bzw. kurz nach der Ausbildung ein Lernender, der sich durch die Beschäftigung in einem Unternehmen zusätzliches Wissen aneignet? Oder mache ich z.B. als Student ein Praktikum auf dem Bau, bei dem ich schon am zweiten Tag einen Hilfsarbeiter ersetze?

Die "Generation Praktikum" hat aber anscheinend ganz andere Probleme. Sie besteht aus voll ausgebildeten Menschen, die nicht auf Anhieb eine Festanstellung finden und deshalb versuchen, ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz durch (un- bzw. gering bezahlte) Praktikantentätigkeit zu verbessern. Muss man jetzt gegen diese Form der Beschäftigung ein neues Gesetz machen? Oder wäre es vielleicht viel besser, z.B. durch eine Änderung des Kündigungsschutzes die Einstellung von Berufsanfängern zu vereinfachen. Um es gleich vorweg zu nehmen: kein Unternehmen macht sich die Mühe und fördert Berufsanfänger, um sie möglichst schnell wieder zu entlassen. Aber gerade für kleinere Unternehmen muss eine unbürokratische Entlassung möglich sein, wenn dies die Geschäftslage erfordert. Und genau diese Quintessenz spiegelt sich ja auch in der Bewertung der Unternehmen wider!

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