Joseph Kabila

Mit der „Katanga-Mafia“ ins Präsidentenamt

Von Thomas Scheen, Kinshasa

58 Prozent wählten Kabila

58 Prozent wählten Kabila

17. November 2006 Als Joseph Kabila sich das erste Mal dem kongolesischen Publikum präsentierte, war dies kein überzeugender Auftritt. Kabila war damals, 1996, „militärischer Berater“ in der Rebellenarmee seines Vaters Laurent-Desiré Kabila, die sich mit ruandischer Unterstützung anschickte, den Diktator Mobutu zu vertreiben. Joseph Kabila sollte Stellung nehmen zu einem Massaker, das mutmaßlich ruandische Soldaten an Hutu-Flüchtlingen in der ostkongolesischen Stadt Kisangani verübt hatten.

Der Sohn des künftigen Präsidenten Kongos sprach kein Französisch, weil er im anglophonen Tansania aufgewachsen war, und verhaspelte sich vor den Kameras, was ihm umgehend den Ruf einbrachte, nichts anderes als eine Marionette der Ruander zu sein. Tatsächlich war er damals ständig im Windschatten des ruandischen Generals James Kabarare unterwegs, dem eigentlichen Kopf hinter der Kabila-Revolution, und Kabarere, mittlerweile Generalstabschef in Ruanda, bezeichnet seinen ehemaligen Zögling bis heute als „Weichei“.

Kein Weichling

Dieser vermeintliche Weichling hat seither eine außergewöhnliche Karriere gemacht und ist mit 35 Jahren nun das jüngste Staatsoberhaupt Afrikas. Dabei hätte kaum jemand auf seine Zukunft gewettet, als die zimbabwische Armee ihn nach der Ermordung seines Vaters 2001 in einer halsbrecherischen Aktion nach Kinshasa transportierte, um ihn als neuen Präsidenten zu inthronisieren. Damals tobte gerade der zweite kongolesische Krieg, mit dem der ehemalige Verbündete Ruanda versuchte, den alten Kabila zu vertreiben.

Joseph war zu diesem Zeitpunkt nach einer Kurzausbildung in China zum Generalmajor und stellvertretenden Generalstabschef der kongolesischen Armee ernannt worden. Gleichwohl hatte er sich in der Auseinandersetzung mit den Rebellen im Osten und im Norden nicht mit Ruhm bekleckert. Möglicherweise war es die Einsicht, daß dieser Krieg, in den zeitweise sechs ausländische Armeen verwickelt waren, nicht zu gewinnen war, die Kabila nach der staatsstreichartigen Machtergreifung von Frieden reden ließ. Der Westen jedenfalls, allen voran die ehemalige Kolonialmacht Belgien, war begeistert von dem jungen Herrscher.

Fast fehlerfrei durchs Minenfeld

Kabila hielt Wort und willigte in eine Übergangsregierung ein, in der vier Vizepräsidenten, darunter zwei aus der Rebellion, weitreichende Befugnisse erhielten. Daß diese als „1 plus 4“ bekannt gewordene Konstellation sich selbst blockierte und der Wiederaufbau Kongos seither auf sich warten läßt, kann man indes schlecht Kabila ankreiden.

Der öffentlich schüchtern und gehemmt wirkende Kabila vermied es in dieser Zeit, sich auf Kosten seiner Vizepräsidenten zu profilieren, was ihm prompt als Schwäche ausgelegt wurde. In Wahrheit hat dieses Verhalten maßgeblich dazu beigetragen, die fragile Übergangsregierung bis hin zu den Wahlen zusammenzuhalten. Immer wieder wurde in diesen Jahren spekuliert, wer Kabila eigentlich berate, denn der Mann machte in diesem politischen Minenfeld kaum Fehler.

Von den Belgiern war die Rede, dann waren es die Amerikaner oder die Angolaner. Doch die Antwort auf diese Frage ist in der Heimatregion seines Vaters zu suchen: in Katanga. Sein gesamtes Umfeld besteht aus Beratern aus dieser Region, was diesem Dunstkreis aus höchstens zehn Personen die wenig schmeichelhafte Bezeichnung „Katanga-Mafia“ einbrachte.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

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