Trojaner

Nicht nur der Bund schickt Spionagesoftware

Von Holger Schmidt

Der Nutzer merkt es nicht: Kriminelle kommen heimlich durch die Hintertür

Der Nutzer merkt es nicht: Kriminelle kommen heimlich durch die Hintertür

06. Februar 2007 Die Familie der „Trojaner“, also der heimlich eingeschleusten Computerprogramme zum Ausspähen sensibler Daten über die Internetverbindung, hat Zuwachs bekommen: Im Auftrag der Bundesregierung wird gerade der „Bundestrojaner“ programmiert. Die Software, die bis zu 200.000 Euro kostet, soll den Strafverfolgungsbehörden die Durchsuchung eines Internetcomputers ohne Wissen des Besitzers ermöglichen.

Der „Bundestrojaner“, so der inoffizielle Name, soll - wenn er geschickt gemacht ist - unbemerkt auf den Rechner gespielt und unerkannt von den gängigen Schutzprogrammen seine Arbeit im Sinne der Strafverfolgung verrichten.

Instrumente der Computer-Kriminellen

Die Regierung bedient sich damit der Instrumente der internationalen Szene der Computer-Kriminellen, die inzwischen mit sehr professionellen Methoden an das Geld der Internetnutzer heran will Die Zeit der massenhaft auftretenden Internetviren wie „Sasser“ ist vorbei, da sich damit kein Geld verdienen lässt Seit dem vergangenen Jahr arbeiten die Hackerbanden verstärkt mit Trojanern, um die persönlichen Daten der Nutzer abzufangen.

„Diese Trojaner sind die Schlüsselfiguren beim Diebstahl persönlicher Daten, für den illegalen Zugang zu Netz-Ressourcen oder Bankkonten sowie für die Errichtung von Botnetzen. Insbesondere deshalb genießen sie höchste Popularität bei Cyber-Verbrechern“, sagt Yury Mashevsky, Virenanalyst beim Sicherheitssoftwarehersteller Kaspersky.

Jeder dritte Rechner gehört einem Botnetz an

Botnetze sind ferngesteuerte Netzwerke meist privater Internetrechner, die ohne Wissen des Besitzers meist für den Versand unerwünschter Spam-E-Mails verwendet werden. „Jeder dritte bis vierte Rechner gehört inzwischen einem Botnetz an“ schätzt Mirco Rohr, technischer Leiter bei Kaspersky in Ingolstadt. Die Nutzung der Botnetze für den Spam-Versand wird im Internet für kleines Geld verkauft. Da sehr viele Rechner heute über schnelle DSL-Verbindungen an das Internet angeschlossen und zudem unzureichend geschützt sind, lassen sich auf diese Weise in kurzer Zeit viele Millionen Spam-Mails versenden, die bei den Empfängern eintreffen, bevor die Sicherheitsunternehmen die Spams entdecken und herausfiltern können.

Die Folge: Trotz ständig verbesserter Filtertechniken werden nicht weniger, sondern immer mehr Spam-Mails versendet. „Die Spam-Quoten sind in den vergangenen Monaten drastisch auf etwa 84 Prozent angestiegen. Fraglos sind es private Verbraucher, die am anfälligsten für solche Angriffe sind“, sagt Mark Sunner, Chef-Sicherheitsanalyst des britischen Unternehmens Messagelabs.

Markt für Sicherheitssoftware profitiert

Das Motiv, mit Internetkriminalität Geld zu verdienen, zeigt sich auch in der zunehmenden Bedeutung der sogenannten Phishing-Seiten. Dabei versuchen die Kriminellen, Kunden der Onlinebanken auf gefälschte Seiten zu locken, um an deren persönliche Identifikationsnummern zu gelangen. Nach der Erhebung der Anti-Phishing-Arbeitsgruppe ist die Zahl der neuen Phishing-Seiten im November 2006 auf 37.400 gestiegen, nach 4630 im Jahr zuvor. Viele Banken haben zwar mit einer Modifikation ihrer Identifikationssysteme reagiert, aber auch diese Systeme sind vor den raffinierten Methoden der Phishing-Industrie inzwischen nicht mehr sicher.

Die Professionalisierung der Internet-Kriminellen treibt den Markt für Sicherheitssoftware an. Nach Schätzungen des Marktforschungsunternehmens Gartner werden in diesem Jahr 9,1 Milliarden Dollar mit Sicherheitssoftware umgesetzt, 10,7 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Der Großteil entfällt immer noch auf Programme gegen Computerviren. Für private Internetnutzer empfehlen sich auf jeden Fall umfassende Sicherheitspakete gegen Viren, Spam und Hacker-Angriffe, die sich vor jeder Nutzung des Rechners automatisch aktualisieren.

Text: F.A.Z., 06.02.2007, Nr. 31 / Seite 14
Bildmaterial: ddp

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