07. April 2007 Die Botschaft ist immer noch aktuell: Auf die zentrale Bedeutung der Wiederauferstehung von Jesus Christus für den christlichen Glauben verweisen die deutschen Bischöfe. Angesichts eines in Deutschland nachlassenden Glaubens an das Leben nach dem Tod äußern sie sich in einer Umfrage der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung jedoch auch kritisch darüber, ob es der Kirche gelingt, den Kern der christlichen Botschaft zu vermitteln.
In Rom wird dagegen erwartet, dass Papst Benedikt XVI. am Ostersonntag vor noch mehr Gläubigen als im vergangenen Jahr auf dem Petersplatz die Ostermesse lesen und den Segen Urbi et orbi spenden wird. Mit mehr als 630.000 Übernachtungen rechnen die Hotels der Stadt über die Ostertage, der Tourismusverband prognostizierte zehn Prozent mehr Besucher als im Vorjahr.
Wachsende Säkularisierung unseres Bewusstseins
Für mich ist der Tod kein Punkt, sondern ein Doppelpunkt, keine Sackgasse, sondern eine Station auf dem Weg zu Gott hin, führt Margot Käßmann aus, Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers. Sie fügt hinzu: Und wenn der Arzt sagt: ,Exitus', dann sagt mein Glaube: ,Introitus'. Der Himmel ist das Ziel der Christen; denn es ist die Welt, in der Gott in seiner vollendeten Liebe lebt, beteuert der katholische Bischof von Essen, Felix Genn. Im Himmel zu leben heißt, nach dem Tod auf immer und ewig in Gemeinschaft mit Gott zu leben, hebt auch sein Augsburger Amtsbruder Walter Mixa hervor. Man könne diesen Zustand als vollkommenes Glück bezeichnen, in dem es keine Tränen und keine Angst mehr gebe. Die Hölle nennt der Bischof eine freiwillige Entscheidung des Menschen für Gottesferne.
Überzeugt zeigt sich Mixa aber davon, dass die Kirche über viele Jahrzehnte hinweg zu wenig von den letzten Dingen gesprochen hat. Dafür macht er eine selbst auferlegte Furcht vor der Drohbotschaft verantwortlich und eine allzu starke Orientierung auf diesseitige Fragen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, nennt als Grund für den schwindenden Jenseitsglauben zudem eine wachsende Säkularisierung unseres Bewusstseins und unserer Mentalität. Vieles werde verdrängt, auch die umfassende Frage nach dem Sinn des Lebens. Viele Menschen seien aber viel mehr von der Frage bewegt, wie es nach dem Tod weitergeht, auch wenn sie nicht darüber reden. Jeder Tod, auch der eines geliebten Menschen, stelle diese Frage: Da müssen wir ansetzen.
Auch nach Ansicht des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, ist in einer weithin auf das Diesseits eingeschworenen Welt die Verkündigung eines Lebens nach dem Tod schwierig. Eine Beschränkung der Kirche auf die Rolle einer Werteagentur oder einer Tugendwächterin hält er aber für den falschen Weg. Manchmal sei eher zu viel von Werten oder Tugenden die Rede und zu wenig vom Geheimnis des Glaubens.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Bildmaterial: AP