Schuldenkompaß

Handy führt junge Leute in die Schuldenfalle

24. November 2005 Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Probleme treiben immer mehr Menschen in Deutschland in die Schuldenfalle. Die Anzahl der verschuldeten Personen, die bei der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa) registriert sind, ist seit 2002 deutlich gestiegen.

Das geht aus dem dritten Schulden-Kompaß hervor, den die Schufa am Donnerstag in Berlin vorstellte. Dafür wertete die Schufa Daten von 62 Millionen Bürgern aus.
Schwerpunkt des diesjährigen Schulden-Kompasses war die Überschuldung junger Erwachsener zwischen 18 und 24 Jahren. Das Ergebnis: Während sich nur rund 5 Prozent der 25- bis 65jährigen bei Handyanbietern verschulden, sind es bei den jüngeren fast 10 Prozent.

Rund 237.000 junge Erwachsene in Deutschland sind überschuldet oder stehen kurz davor. Schufa-Chef Rainer Neumann nannte die Zahl überraschend hoch. Bei den nicht bezahlten Schulden dieser Altersklasse handle es sich oft um Ausgaben für Handys, Computer und Musik. Würden alle Kredite - also auch bei Eltern oder Freunden - gleich welcher Höhe gewertet, ergibt sich nach Angaben des Experten Gunter Zimmermann sogar, daßjeder fünfte junge Erwachsene Schulden hat.

„Meist wird ein Kredit in Ausnahmesituationen wie plötzlicher Arbeitslosigkeit oder Scheidung aufgenommen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Schufa Holding AG, Rainer Neumann. Ob dieser Kredit dann auch abbezahlt werden kann, hängt von der familiären Situation ab. Ist ein Partner da, der den finanziellen Engpaß überbrücken kann, geraten die Menschen nur selten in die Schuldenfalle. Anders jedoch Alleinerziehende, die auf sich selbst gestellt sind. „Sie sind überproportional verschuldet.“

Einträge bei der Schufa in Wiesbaden sind entscheidend beim Erwerb von Mobiltelefonen oder beim Ratenkauf im Kaufhaus, aber auch bei der Vergabe von Krediten. Pro Jahr gibt die Schufa 72,3 Millionen Auskünfte. In 93 Prozent aller Fälle sei die Auskunft positiv, sagte Neumann. Lediglich bei 7 Prozent falle die Auskunft negativ aus.

Das gewerkschaftsnahe WSI-Institut hat nach dem Start der großen Koalition vor einer noch tieferen Kluft zwischen den Einkommen von Arbeitnehmern und Unternehmern gewarnt. Die Beschlüsse der neuen Bundesregierung werden „die ungleiche Entwicklung zwischen Arbeitseinkommen einerseits sowie den Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen andererseits wieder forcieren“. Zu diesem Schluss kommt der am Donnerstag in Düsseldorf veröffentlichte „Verteilungsbericht 2005“ des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans- Böckler-Stiftung.

Text: AP, dpa, AFP

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