Burma

Junta lässt Krankenschwestern und Ärzte ins Land

17. Mai 2008 Burmas Militärmachthaber beugen sich zögerlich dem internationalen Druck zur Annahme von Katastrophenhilfe. Zwei Wochen nach dem Durchzug des Wirbelsturms „Nargis“ durften ausländische Diplomaten am Samstag erstmals drei Lager im abgeschotteten Irawadi-Delta besuchen. Zudem erhielten Dutzende Ärzte und Krankenschwestern aus Asien eine Einreisegenehmigung, ebenso wie UN-Hilfskoordinator John Holmes.

Nach Einschätzung der Hilfsorganisationen reicht dies aber angesichts der verzweifelten Lage der rund zwei Millionen Menschen, die durch den Zyklon alles verloren haben, bei weitem nicht aus. Mit einem Hubschrauber brachten die Behörden am frühen Morgen eine Gruppe von Diplomaten und führenden Vertretern von Hilfsorganisationen aus Rangun in das am schwersten verwüstete Irawadi-Delta. „Was sie uns zeigten, sah sehr gut aus, doch war das nicht das ganze Bild“, berichtete der örtliche Leiter des Welternährungsprogramms (WFP), Chris Kaye, nach seiner Rückkehr. Nach seinen Angaben bekamen sie drei Auffanglager zu sehen, in denen jeweils maximal 250 Menschen lebten.

UN-Koordinator Holmes in Rangun erwartet

In Rangun trafen 30 Ärzte und Krankenschwestern aus dem benachbarten Thailand ein. Laut Kaye haben sie eine zweiwöchige Aufenthaltsgenehmigung, dürfen sich aber nur bis zum Stadtrand von Rangun bewegen. Eine Gruppe indischer Ärzte sei bereits im Land, weiteres Personal aus China und Bangladesch werde im Laufe des Wochenendes erwartet. Der örtliche Vertreter von Ärzte ohne Grenzen, Frank Smithuis, sagte, dass dringend internationale Katastrophenexperten gebraucht würden, um Wasser aufzubereiten, Toiletten zu bauen und Nothilfe zu organisieren.

Auffanglager in Rangun UN-Koordinator Holmes wird in Rangun erwartet Anstehen für Nahrung Unicef-Helfer erreichen abgelegene Gebiete Burmas

Am Freitagabend landeten nach Angaben des amerikanischen Außenministeriums vier Transportflugzeuge mit Hilfsgütern in Rangun. UN-Koordinator Holmes wird für Sonntag in Rangun erwartet. Er will die Militärregierung dazu bewegen, nicht nur ausländische Hilfe, sondern auch die internationalen Helfer ins Land zu lassen. Trotz zehntausenden Toten und hunderttausenden Obdachlosen versichern Burmas Behörden, die Krise weitgehend allein bewältigen zu können.

„Verbrechen gegen die Menschlichkeit“

Der britische Premierminister Gordon Brown warf den regierenden Generälen eine „unmenschliche Behandlung“ ihrer eigenen Bevölkerung vor. „Wir haben eine unerträgliche Situation, hervorgerufen durch eine Naturkatastrophe. Durch Fahrlässigkeit wird sie zu einer von Menschen gemachten Katastrophe“, sagte Brown im BBC-Rundfunk. Die Verantwortung für das Ausmaß der Katastrophe liege „bei Burmas Regime“, es werde dafür „zur Verantwortung gezogen“.

Frankreichs UN-Botschafter Jean-Maurice Ripert sagte, die Blockadehaltung der Junta grenze an ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Er forderte ein energischeres Eingreifen der Vereinten Nationen. „Zehntausende Menschenleben sind bereits verloren, hunderttausende könnten es werden“, mahnte er. Nach seinen Angaben streiten sich Frankreich und Burma weiter, wie mit den Hilfslieferungen an Bord eines französischen Marineschiffs verfahren werden soll, das vor Burmas Küste ankert. Laut Ripert warf sein birmanischer Kollege Paris vor, ein „Kriegsschiff“ entsandt zu haben. In Washington forderten 43 Abgeordnete beider Parteien den amerikanischen Präsidenten George W. Bush auf, sich für eine „humanitäre Intervention“ in Burma einzusetzen. Bush verlängerte am Samstag die Sanktionen gegen Burma um ein weiteres Jahr.



Text: FAZ.NET mit AFP
Bildmaterial: ddp, dpa

 
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