Irena Sendler gestorben

„Mein Gewissen schmerzt mich noch immer“

Von Konrad Schuller, Warschau

12. Mai 2008 Als die deutsche Besatzungsmacht im April 1943 das Warschauer Getto niederbrannte und die überlebenden Juden ins Gas schickte, sind etwa 2.500 Kinder dem Tod entkommen: die Schützlinge der polnischen Krankenschwester Irena Sendler und der polnischen Untergrundorganisation Zegota. Von den deutschen Behörden mit der Seuchenbekämpfung in Warschaus „jüdischen Wohnbezirk“ betraut, riskierten Sendler und ihre Mitstreiter ihr eigenes Leben, um Kinder aus dem Getto zu schmuggeln.

Auch unter Folter verriet sie nichts

Sendler ging von Haus zu Haus, überredete verzweifelte Eltern zur Trennung von ihren Kindern, verschaffte diesen dann unter falschen Namen Unterkunft in Familien und Waisenhäusern. Die Listen mit den wahren Namen vergrub sie in Einmachgläsern. Sie verriet die Identität ihrer Schützlinge auch dann nicht, als in deutscher Haft schwer gefoltert wurde.

Ihrer schon beschlossenen Hinrichtung entging sie dadurch, dass der polnische Widerstand einen SS-Mann bestach. Über ihr Tun hat Irena Sendler nach dem Krieg einmal geschrieben: „Mein Gewissen schmerzt mich noch immer, weil ich nicht mehr tun konnte.“ Am Pfingstmontag ist sie im Alter von 98 Jahren in Warschau gestorben.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa