Von Kerstin Schwenn
08. April 2008 In jedem Sommer bekommen die Rentner schwarz auf weiß, ob und wie stark sie an der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung teilhaben: Denn zum 1. Juli steigen die Altersbezüge – oder auch nicht.
Die zuletzt mageren Jahre für Arbeitnehmer (mit allenfalls geringen Lohnzuwächsen) waren auch magere Jahre für die Rentner. Von 2004 bis 2006 gab es für sie nur Nullrunden, im vorigen Jahr eine kleine Erhöhung um 0,54 Prozent.
Die Nachhaltigkeitsrücklage:
Die Deutsche Rentenversicherung gibt derzeit jeden Monat fast 16 Milliarden Euro für die Altersbezüge aus. Dieser Betrag wächst ständig, weil die Rentner immer mehr werden. Damit die Renten auch in Zeiten konjunktureller Schwankungen Monat für Monat sicher sind, verfügt die Rentenkasse über eine finanzielle Reserve, die Nachhaltigkeitsrücklage. Dieses Polster war in der wirtschaftlichen Krise fast vollständig abgeschmolzen und wird jetzt wieder aufgebaut. Die Rücklage liegt derzeit bei rund elf Milliarden Euro; sie soll noch auf das Eineinhalbfache einer Monatsausgabe, also rund 24 Milliarden Euro aufgestockt werden. Nach dem Gesetz kann der Beitragssatz von derzeit 19,9 Prozent der Bruttoeinkommen erst sinken, wenn diese Rücklage erreicht ist.
Der Bundeszuschuss:
Dafür, dass der Kreislauf im Umlagesystem funktioniert, sorgen die Beitragszahler, also Arbeitnehmer und Arbeitgeber, sowie der Bund mit seinem Zuschuss aus dem Haushalt. Den Bund kostet die Rente inzwischen fast 80 Milliarden Euro jährlich. Damit werden jene Renten(anteile) bezahlt, denen keine Beiträge gegenüberstanden. Solche versicherungsfremden Leistungen beziehen sich etwa auf Kriegsfolgelasten, Zeiten für Kindererziehung oder arbeitsmarktbedingte Leistungen.
Der Riester-Faktor:
Die jährliche Rentenanpassung richtet sich nach der Entwicklung der Löhne und Gehälter im Jahr zuvor – allerdings mit Einschränkungen. Zur Rentenberechnung dient die Rentenformel, in der seit der Rentenreform 2001 der Riester-Faktor gilt. Er soll einen Ausgleich dafür schaffen, dass die junge Generation – deren gesetzliche Rente dereinst nicht mehr reichen wird, um den Lebensstandard zu sichern – zusätzlich privat vorsorgen muss (Riester-Rente“). Der Riester-Faktor dämpft die jährliche Rentenerhöhung üblicherweise um etwa 0,6 Prozentpunkte.
Der künftige Beitragssatz:
Doch mit dieser Korrektur hat sich die Politik nicht begnügt: Die demografische Entwicklung sorgt dafür, dass der Abstand zwischen der Zahl der Rentner (heute 20 Millionen) und der Beitragszahler (heute 27 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte) weiter schrumpft. Um die gesetzliche Rentenversicherung langfristig finanzierbar zu halten, muss es zwischen Alt und Jung einen Kompromiss geben. Unter der rot-grünen Regierung wurde festgelegt, dass der Beitragssatz bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen soll. Zugleich soll das Rentenniveau vor Steuern 2030 43 Prozent der Durchschnittseinkommen nicht unterschreiten.
Der Nachhaltigkeitsfaktor:
Um die demographische Entwicklung zu berücksichtigen, wurde der Nachhaltigkeitsfaktor in die Rentenformel eingefügt. Da der Arbeitsmarkt sich derzeit positiv entwickelt und die Zahl der Beitragszahler zunimmt, wirkt der Faktor im Moment sogar positiv, erhöht also die Rentenanpassung. Dies wird sich indes in einigen Jahren ändern. Es wird damit gerechnet, dass der Faktor die Anpassung um rund 0,3 Prozentpunkte dämpft.
Schutzklausel und Nachholfaktor:
Die Rechenfaktoren sollen aber nicht dazu führen, dass die Rentner Minusrunden hinnehmen müssen. Rein rechnerisch wäre dies 2005 und 2006 der Fall gewesen. Der Gesetzgeber hat deshalb eine Schutzklausel geschaffen, die Minusrunden verhindert. Allerdings müssen die unterlassenen Rentenkürzungen nachgeholt werden. Dafür sorgt der Nachholfaktor: Er soll von 2011 an die unterbliebenen Kürzungen der Jahre 2005 und 2006 ersetzen. Allerdings soll dies nicht auf einen Schlag geschehen. Vielmehr ist der Faktor so gestaltet, dass die fälligen Rentenanpassungen halbiert werden. Dies könnte dazu führen, dass für die Rentner von 2011 an, wenn alle Faktoren zusammenwirken, wieder kaum mehr als Nullrunden herauskommen.
Text: enn: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
Terrorbekämpfung: Zerschlagung der Sauerland-Gruppe jährt ![]()
Merkel stellt Rettungsplan vor
Linkspartei: An uns scheitert das Ganze nicht“
ÜberKreuzWarum verweigert die katholische Kirche homosexuellen Paaren den Segen?
von Daniel Deckers, 30.09.2008 16:20