Feinstaub

Fünf Millionen Autos drohen Fahrverbote

Abgase müssen bald gefiltert werden

Abgase müssen bald gefiltert werden

11. August 2005 Viele deutsche Städte planen Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge, die bis Ende 1999 zugelassen worden sind. Für einen großen Teil der Fahrzeuge sollen die Verbote vom Jahr 2007 an sogar ganzjährig gelten und nicht, wie bislang üblich, nur bei erhöhter Umweltbelastung durch Feinstaub. Betroffen wären rund 3,8 Millionen Personenwagen und eine Million Lieferwagen.

Um dem Fahrverbot zu entgehen, müßten diese Autos mit Rußpartikelfiltern nachgerüstet werden. Das ist aber in den meisten Fällen technisch nicht oder nur zu unvertretbar hohen Kosten möglich. Die Besitzer dieser Autos müssen sich also auf den vollständigen Wertverlust einstellen oder einen Käufer im Ausland finden. Betroffen sind Autos der Schadstoffklassen Euro 0 bis Euro 2.

Viele Städte kämpfen mit den Feinstaub-Grenzwerten

Hintergrund sind die Grenzwerte für Feinstaub. Die Umweltbelastung daraus darf nur an 35 Tagen im Jahr den Wert von 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft überschreiten. In vielen Städten ist das Limit in greifbarer Nähe. In Frankfurt am Main zum Beispiel wurde es schon an 28 Tagen überschritten. Die Luftqualität sei nur wegen des Wetters und der geringen Verkehrsmenge relativ gut. Kurz nach den Ferien wird mit der Überschreitung der Grenze gerechnet, so wie es etwa in Halle an der Saale schon geschehen ist. Dann treten Aktionspläne in Kraft, mit zum Teil weitreichenden Folgen.

Stuttgart hat einen Maßnahmenplan vorbereitet, der von 2007 an ganzjährige Fahrverbote für Personenwagen mit Dieselmotor vorsieht, welche die seit Juli 1992 geltende Schadstoffklasse Euro 1 nicht erfüllen. In weiteren Stufen werden immer jüngere Autos erfaßt. Von 2009 an würden Diesel bis zum Zulassungsdatum Dezember 1999 von einem Fahrverbot getroffen. Frankfurt plant neben Halteverboten und zeitweisen Fahrverboten für Lastwagen eine Umweltzone. Von 2008 an dürften dann nur noch schadstoffarme Autos in die Innenstadt einfahren. Stuttgart oder Frankfurt sind keine Einzelfälle. In vielen anderen Städten lägen ähnliche Vorhaben bereit, bestätigt der Deutsche Städtetag.

„Dramatische Folgen“

Die Aktionspläne betreffen Autos, hauptsächlich solche mit Dieselantrieb, die den Schadstoffklassen Euro 0 bis 2 zugeordnet sind. Das trifft nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) 51 Prozent aller Personenwagen in Deutschland. 3,8 Millionen Personenwagen mit Dieselmotor wären also von den Verboten betroffen sowie mehr als die Hälfte der 2 Millionen Lastwagen bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht. Diese werden hauptsächlich zur Verteilung von Waren in den Innenstädten eingesetzt.

„Da treffen Politiker Entscheidungen, ohne sich über die dramatischen Folgen klar zu sein“, sagt VDA-Sprecher Eckehart Rotter und verweist zusätzlich auf die geplante Plakette für schadstoffarme Autos (F.A.Z. vom 10. und 11. August). Nach dem Vorschlag von Umweltminister Jürgen Trittin müßten alle Personenwagen und Nutzfahrzeuge dieser Schadstoffklassen ab Einführung des Gesetzes sofort mit Einfuhrverboten in die Städte belegt werden, warnt der VDA. Auch die Handelskammern sind alarmiert. Sie sorgen sich um die Funktionsfähigkeit der Innenstädte und lehnen jegliche Beschränkung des Lastwagen-Verkehrs ab.

Keine Nachrüstsätze vorhanden

Die Fahrverbote lassen sich nur umgehen, wenn das Auto mit einem Rußpartikelfilter nachgerüstet wird. Doch das ist meist nicht möglich. „Euro-1-Fahrzeuge sind in der Regel gar nicht, Euro-2-Fahrzeuge nur in Ausnahmefällen und mit hohem Aufwand nachrüstbar“, sagt Reiner Priggel von HJS, einem führenden Hersteller von Abgassystemen. Sofern der Umbau möglich sei, müsse der Katalysator ausgebaut und durch ein Kombisystem aus neuem Katalysator und Filter ersetzt werden.

Der Preis dafür werde erheblich über dem eines gewöhnlichen Nachrüstsatzes für Fahrzeuge der Schadstoffklasse Euro 3 liegen, der einschließlich Einbau 650 bis 750 Euro kosten soll. Das Problem: Bislang gibt es keine Nachrüstsätze. „Die Nachfrage der Kunden ist sehr groß. Aber uns fehlen alle Vorgaben aus Berlin“, sagt Priggel. Es sei nicht geklärt, ob eine finanzielle Förderung (im Gespräch sind 250 Euro) gewährt werde. Schlimmer wiege für die Hersteller aber, daß es bislang keine technische Prüfrichtlinie gebe. Deshalb werde in Deutschland noch kein einziger Nachrüstsatz angeboten.

Text: hap., F.A.Z., 12.08.2005, Nr. 186 / Seite 11
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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