08. November 2006 Nancy Pelosi aus San Francisco in Kalifornien hat am 7. November 2006 Geschichte geschrieben. Keine Frau vor ihr hat in den Vereinigten Staaten ein so hohes gewähltes politisches Amt errungen wie jenes, das sie am 3. Januar 2007, wenn der 110. Kongreß zusammentritt, übernehmen wird: Sprecherin des Repräsentantenhauses.
Genau gesagt ist es das dritthöchste politische Amt, das die derzeit gut 200 Millionen wahlberechtigten Souveräne der mächtigsten Demokratie der Welt zu vergeben haben. Denn in der Nachfolge des Präsidenten folgt der Speaker of the House nach dem Vizepräsidenten an zweiter Stelle - noch vor dem Präsidenten pro tempore des Senats, der kleineren Kammer des Kongresses.
Politik in die Wiege gelegt
Nancy Patricia D'Alesandro Pelosi, die am 26. März 1940 in Baltimore im Bundesstaat Maryland als Tochter italienisch-amerikanischer Eltern geboren wurde, hat diese historische Chance seit einiger Zeit auf sich zukommen sehen, und die ehrgeizige Politikerin ist mit Recht stolz auf diese Leistung. Politik war Nancy Pelosi buchstäblich in die Wiege gelegt, denn ihr Vater Thomas D'Alesandro Jr. war ebenfalls Abgeordneter im Repräsentantenhaus und zudem von 1947 bis 1959 Bürgermeister ihrer Heimatstadt Baltimore - ein Amt, das auch ihr Bruder Thomas D'Alesandro III. von 1967 bis 1971 bekleidete.
Beim Studium am katholischen Trinity College in Washington lernte Nancy D'Alesandro ihren künftigen Gatten, den erfolgreichen Geschäftsmann Paul Pelosi, kennen, dem sie in dessen Heimatstadt San Francisco folgte. Das Vermögen der Pelosis, vor allem in Immobilien in Kalifornien angelegt, wird auf 25 Millionen Dollar geschätzt. Als das jüngste ihrer fünf Kinder kurz vor dem Abitur stand, wandte sich Nancy Pelosi wieder der liebsten Familienbeschäftigung zu: der Politik.
Im Juni 1987 wurde sie erstmals bei einer Sonderwahl als Nachfolgerin einer verstorbenen Abgeordneten ins Repräsentantenhaus gewählt. Seither gelang ihr regelmäßig mit 80 Prozent der Stimmen die Wiederwahl, denn der 8. Wahlbezirk von Kalifornien, wo John Kerry bei den Präsidentenwahlen von 2004 George W. Bush mit 85 zu 14 Prozent der Stimmen schlug, ist einer der sichersten demokratischen Wahlkreise im ganzen Land.
Resolut im Designer-Kostüm
Mit Zielstrebigkeit und Raffinesse verfolgte die resolute Dame, die sich mit Designer-Kostümen und einem stählernen Lächeln schmückt, ihren Aufstieg in der Fraktion der Demokraten. Sie stimmte im Kongreß zuverlässig, wie es ihre linke Wählerklientel im hippen San Francisco von ihr erwartete. Als Verfechterin einer glaubwürdigen Menschenrechtspolitik legte sie sich auch mit Präsident Clinton an, als dieser trotz schwerer Menschenrechtsverletzungen in China die Handelsbeziehungen ausbaute.
Seit ihrem Aufstieg an die Fraktionsspitze der Demokraten im Repräsentantenhaus im Juni 2002 hat sie sich als entschiedene Gegnerin von Präsident Bush und zumal von dessen Irak-Politik profiliert. Sie stimmte gegen die Resolutionen zur Ermächtigung zum Irak-Krieg und bezeichnet den Präsidenten als inkompetent. Als Vertreterin des linken Flügels der Partei wird sie mit manchen der frisch gewählten zentristischen und konservativen Abgeordneten der Demokraten aus den Südstaaten aneinandergeraten. Und sie wird sich mit Bush darüber streiten, warum dieser nicht alle amerikanischen Truppen bis Ende 2007 aus dem Irak abziehen will.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, REUTERS