12. Dezember 2006 Ein Selbstmordattentäter hat am Dienstag in der Innenstadt von Bagdad 58 Tagelöhner mit in den Tod gerissen, die auf der Straße auf Arbeit gewartet hatten. Rund 150 weitere Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, als sich der Attentäter in seinem Auto inmitten der Hilfsarbeiter in die Luft sprengte.
Ministerpräsident Nuri al Maliki erklärte, Anhänger des alten Regimes von Präsident Saddam Hussein steckten hinter diesem und ähnlichen Anschlägen. Was in Bagdad geschehe, sei Teil des globalen Kampfes gegen den Terrorismus, den man durchaus als dritten Weltkrieg bezeichnen kann, fügte Al Maliki hinzu.
Am Rande von Bürgerkrieg und Chaos
Scharfe Kritik an der Irak-Politik des amerikanischen Präsidenten George W. Bush übte unterdessen UN-Generalsekretär Kofi Annan, der zum Jahreswechsel aus dem Amt scheidet. In einer Rede im Präsident- Truman-Museum in Independence (Missouri) warf Annan der amerikanischen Regierung am Montag abermals vor, den Irak-Krieg gegen den internationalen Willen begonnen zu haben.
In seinem monatlichen Bericht an den Sicherheitsrat über die Lage im Irak zog Annan eine dramatische Bilanz. Das Land stehe am Rande von Bürgerkrieg und Chaos. Die Krise im Irak sei mittlerweile wohl die dringendste Krise der Welt. Mehr als 5000 Iraker kämen jeden Monat ums Leben, seit Ende Februar sei fast eine halbe Million Menschen innerhalb des Landes vertrieben worden.
Fotograf in Mossul getötet
Ein Sprecher des irakischen Innenministeriums erklärte zu dem Anschlag vom Dienstag in Bagdad, der Selbstmordattentäter habe rund 120 Kilogramm Sprengstoff zur Detonation gebracht. Ein Augenzeuge berichtete: Leichenteile waren überall verstreut, auf einer riesigen Fläche. Es habe 20 Minuten gedauert, bis der erste Krankenwagen eingetroffen sei. Es war schon das achte Mal seit dem Kriegsbeginn im Jahr 2003, daß Terroristen diesen Platz im Bezirk Bab al-Scharki angriffen.
Dort versammeln sich schon seit den 1960er Jahren an jedem Werktag morgens ab 06.00 Uhr Hilfsarbeiter. Gruppen von Tagelöhnern und Besucher von Imbißrestaurants werden von den Terroristen besonders häufig als Anschlagsziel ausgewählt, weil sie schlecht geschützt sind. Die meisten anderen Orte in Bagdad, an denen sich Menschen versammeln, sind inzwischen mit Wächtern, Barrieren und Stacheldraht gesichert.
Augenzeugen berichteten unterdessen, Extremisten hätten in Mossul, 450 Kilometer nördlich von Bagdad, einen irakischen Fotografen getötet, der für die Agentur Associated Press gearbeitet habe. Ein Mitarbeiter der Agentur bestätigte den Bericht. Bei weiteren Attentaten und Anschlägen wurden am Dienstag im Irak mindestens fünf Menschen getötet.
Text: FAZ.NET mit Material von AFP und AP
Bildmaterial: dpa