Kommentar

Ohne Überraschung

Von Günther Nonnenmacher

Am 6. Mai haben die Franzosen nun die Wahl zwischen Sarkozy und Royal

Am 6. Mai haben die Franzosen nun die Wahl zwischen Sarkozy und Royal

22. April 2007 Dieses Mal gab es in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich keine Überraschung wie im Jahr 2002, als der Rechtsradikale Le Pen den sozialistischen Kandidaten Jospin aus dem Rennen warf: Die beiden Favoriten, Nicolas Sarkozy von der Regierungspartei UMP und Segolene Royal für die Sozialisten, haben sich klar durchgesetzt.

Francois Bayrou, der „Zentrist“, dem zugetraut worden war, den Zweikampf der beiden Großen auszuhebeln, folgt, deutlich abgeschlagen, aber mit einem guten Ergebnis, auf dem dritten Platz. Le Pen, bei der Wahl 2002 mit 17 Prozent der Stimmen noch Zweiter, landet dieses Mal deutlich abgeschlagen auf dem vierten Platz. Die restlichen acht Kandidaten liegen weit zurück, wobei die ehemals mächtigen Kommunisten mit ihrer Bewerberin Marie-Georges Buffet geradezu gedemütigt wurden - weniger als zwei Prozent. Bemerkenswert ist die Wahlbeteiligung: offenbar waren die Franzosen von diesem ganz auf Personen abgestellten Wahlkampf fasziniert.

Sarkozy zufrieden, Royal besser als erwartet

Sarkozy hatte sein Wahlziel für die erste Runde auf 30 Prozent beziffert: das hat er erreicht. Mit einer Kampagne, die mit liberalen Tönen startete, dann aber mehr und mehr gaullistische Akzente bekam und am Ende deutlich nach rechts lehnte, hat er sein eigenes Potential ausschöpfen und darüber hinaus Le Pen Wähler abspenstig machen können.

Frau Royal hat sich besser als von vielen erwartet geschlagen. Die Verzettelung linker Stimmen auf eine Vielzahl von Kandidaten war erheblich geringer als 2002 - das Trauma dieser Wahl hat beim „peuple de gauche“, der breitgefächerten linken Wählerschaft, offenbar nachgewirkt.

Bayrous Wähler sind das Zünglein an der Waage

Für die Stichwahl am 6. Mai wird nun vieles davon abhängen, wohin sich die Wähler Bayrous wenden (oder ob sie enttäuscht zu Hause bleiben). Der Mann aus dem Südwesten Frankreichs war schon Minister einer bürgerlichen Regierung; seine Partei (UDF), deren Großteil in den vergangenen Jahren von den Neogaullisten aufgesogen wurde, wird traditionell zur Rechten gezählt.

Offenbar ist sein Plan nicht aufgegangen, auch massiv in die linken Reihen einzubrechen. Das spricht für einen Sieg Sarkozys. Politologen behaupten, daß die Rechte derzeit auf 60 Prozent der Stimmen zählen kann, die Linke auf 40. Aber so deutlich ist noch keine Links-Rechts-Wahl ausgegangen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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