
Es geht hier nicht um die sogenannten "United States of Evil" (das ist pure Ablenkung, die ich mir in Lille schon seit Jahren anhöre), sondern um eine schlichte, inzwischen um ihre soziale Härte gekürzte Reform eines starren Arbeitsrechtes.
Natürlich ist man nicht sicher, ob sie tatsächlich effektiv ist. Aber das haben Reformen ebenso an sich. Angesichts hoher Jugendarbeitslosigkeit, totalem Mangel an Fluktuation auf dem Arbeitsmarkt und jahrzehntelangem Reformstau (Raffarin teilweise ausgenommen) muss man mit der Zeit eben zu härteren Maßnahmen greifen.
Wurde währenddessen auch nur einmal eine vernünftige Alternative genannt ? Niente. Die einzige Lösung scheint wieder einmal Blockade und Zwankskollektivismus zu sein: Drei Wochen lang wurde mir und zahlreichen anderen Studenten von einer Minderheit der Zugang zu meiner blockierten Grande Ecole verwehrt unter dem hohlen Hinweis auf Solidarität.
Frankreich ist in Sachen Wirtschaftspolitik auf eine seltsame Art reaktionär geworden und - so befürchte ich - zunehmend unregierbar.

Woher kommt eigentlich in den Ländern des "alten" Europa (vornehmlich Deutschland,Frankreich,Benelux) der in der Bevölkerung weitverbreitete Irrglaube,jeder könnte alles haben:5 Urlaubsreisen,3 Autos,1 Haus,3mal in der Woche Essengehen uvm? Und das alles mit einem einfachen,bequemen Job mit höchstens 35Std in der Woche ?
Und das Ganze ein Leben lang vom Einstieg ins Berufsleben bis weiter in das Rentenalter hinein.
Ja,das ist die immer noch vorherrschende Vorstellung in West-Europa.
Und weil das so ist,weigern wir uns ,die Realitäten dieser Welt endlich zur Kenntnis zu nehmen.
Die Länder aber,in denen diese Realitäten immer schon bekannt waren (namentlich die angelsäsischen)werden hierzulande verteufelt,der kapitalistisch-imperialistischen Weltverschwörung bezichtigt (das hatten wir doch alles schon im letzten Jahrhundert und war doch nie wahr) und für den Lauf der Welt verantwortlich gemacht.
Übrigens : Multimillionäre,Großverdiener und Kapitalisten gab es in den Jahrzehnten 50 - 80 auch schon.Und die sog. Arbeiterschaft verdiente in all diesen Jahren mehr,als sich die vorhergehenden Generationen je hätten träumen lassen.Die Franzosen versuchen doch nur,sich einzuigeln und ihren Kuschelsozialismus weiterzuleben.

Wenn Touraine meint, "Zum ersten Mal zielt die Ablehnung direkt auf wesentliche Charakteristika der freien Marktwirtschaft. ... die Demonstranten ... weisen die Logik des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs zurück", dann hat er nichts verstanden.
Die Franzosen wenden sich nicht gegen die Markwirtschaft oder den Wettbewerb. Die Franzosen haben vielmehr ein Gespür dafür, wenn das Gemeinwesen krankhafte Entwicklungen nimmt. Die Franzosen waren die ersten, die sich gegen den Feudalismus des 18. Jhd. zur Wehr setzten. Feudalismus ist gekennzeichnet durch grenzenlosen Reichtum bei wenigen Superreichen und durch breite Armut in der Bevölkerung. Heute sind wir wieder soweit. Nicht nur in Frankreich, sondern in den meisten Industrienationen leben wir in einem modernen Feudalismus (Meudalismus genannt). Und die Franzosen sind wieder die ersten, die deswegen in Massen auf die Straßen gehen oder sogar revoltieren. Sie kämpfen nicht gegen einen Kapitalismus, den man hier früher rheinischen Kapitalismus nannte, sondern gegen den Meudalismus. Wie Ludwig Erhard http://short4u.de/43d7e6b1ac50f wollen sie eine gerechte Welt. Bravo!

Wie es weitergeht? Das hört sich verdammt danach an, als ob die Geschichte bald von vorne losgehen könnte – wenn auch nicht ganz von vorne. Das Paradies erreichen wir nimmer mehr.

Die schlauen Anführer der Dummen änderten die Regeln nun so, daß größere Ungleichgewichte nicht mehr entstehen konnten (vergaßen sich selbst dabei natürlich nicht ganz) und hofften, damit den Stein der Weisen gefunden zu haben. Doch sie hatten die Rechnung ohne ihre Dummen gemacht. Die hatten nämlich längst Gefallen am Reichtum gefunden und verlangten nun ihrerseits immer mehr davon. Es musste ein System her, das Reichtum nicht von vornherein ausschloß, aber gleichzeitig die Dümmsten der Dummen – und das waren nicht wenige – bei Laune hielt. Das war die Geburtsstunde der sozialen Marktwirtschaft. Sie war zwar noch marktwirtschaftlich organisiert, aber mit vielen kleineren und größeren Plänen 'verziert'.
Je nachdem, wie gut das funktionierte, schlugen sich bei den Wahlen die Dummen auf die Seite der Dümmsten oder die der Schlaueren. Um diese dummen Wechselwähler an sich zu binden, blieb auch den Schlauen nichts anderes übrig, als immer mehr Planelemente in ihre Wirtschaftspolitik aufzunehmen, bis sich diese von der der Dummen und Dümmsten kaum noch unterschied. Weil nun weder die Dummen noch die Schlauen sich gerecht behandelt fühlten, wurde die Unzufriedenheit von beiden Seiten irgendwann so groß, daß selbst die Koalition der Dummen mit den Dümmsten sich gezwungen sah, ein Planelement nach dem anderen einfach wieder zu kassieren, um die systemerhaltende Option auf Reichtum zu gewährleisten.

Am Anfang war der Markt und nichts als der Markt.
Das war das Paradies: alle hatten genug von allem. Es herrschte Frieden. Doch nicht allzu lange, da änderte sich das. Mit der Zeit gab es Paradiesbewohner, die erheblich mehr besaßen als andere.
Wieso?
Nun, sie waren zuerst nur fleißiger, erfinderischer, kreativer; ganz am Anfang einfach auch nur kräftigerer Statur; kurz und gut: besser drauf als die übrigen. Es machte ihnen Freude, mehr und mehr zu besitzen, und das trieb sie immer stärker an. Schließlich gingen sie dazu über, sich Dinge anzueignen, die eigentlich allen gehörten, sowie von der Wertschöpfung der anderen ein bißchen was (oder auch ein bißchen mehr) für sich abzuzweigen. Sie schufen Regeln, nach denen das erlaubt, ja sogar geboten war. Doch irgendwann übertrieben die Schlaueren das Spiel, und die Mehrheit der Dümmeren erhob sich und forderte ihren Anteil zurück. Als dann noch einige der Schlaueren ihr Gewissen entdeckten und sich an die Spitze der Bewegung setzten, war die Revolte da.

..in der Geschichte schreitet Frankreich voran. Nach der Abschaffung des Absolutismus werden wir wohl den Franzosen als nächstes die Abschaffung des Neoliberalismus zu verdanken haben. Ich bewundere das französische Volk für seinen Mut und sein Durchsetzungsvermögen.

Mit den Franzosen geht es abwaerts, und das ist unvermeidlich und traurig. Es ist aber auch selbstverstaendlich. Wer heute nach China, Indien, Japan oder die USA reist, diese Urgewalten menschlicher Leistungsfaehigkeit und Determiniation, der will Frankreich nie wieder haben, ausser vielleicht aus Nostalgie und Schwaeche. Niemand in der Welt schreibt Frankreich eine besondere Bedeutung mehr zu, ausser vielleicht irgendwie die Europaer mit den Deutschen zusammen in den Abgrund zu ziehen. Deutschland darf nicht den selben Weg gehen, wir sind das einzige Land Europas das den asiatischen Laendern ueberhaupt ins Auge faellt, und eine Warnung seie gegeben: Diese Hampeleien mit und Zurueckhaltungen ueber nationale Inkompetenzen in Europa gibt es ueber den Atlantik und in Asian nicht, dort kommt Butter bei den Fischen, dort heisst es ganz klar, das die franzoesische Zivilisation zwar irgendwie lebt, aber in der Geschichte der Menschheit von nun an und bis in alle Ewigkeit keine Rolle mehr spielen wird. Die Franzosen schaufeln ihr eigenes Grab, und das wird gut sein fuer die Deutschen und Briten ihren Einfluss in Europa weiter auszubreiten, denn dieses Jahrhundert sieht ein neues Zeitalter der Asiaten voraus, das so genetisch vor-programmiert daherkommt, dass Europa sich nicht mehr davon erholen wird. Kein gescheiter Mensch kann sich noch ernsthaft mit Frankreichs Dummheiten auseinandersetzen, ohne in Zweifel zu geraten, ob da ueberhaupt noch etwas zu retten ist.

Wenn der Kapitalismus den Menschen nichts Gutes bringt, muß das System geändert werden - es muß ja nicht gleich das andere Extrem, der Kommunismus, sein.
Hier stehen sich zwei Existenzängste gegenüber und die Politik muß sich zwischen Kapital oder dem ihr anvertrauten Volk entscheiden.
Schon lange bewegt sich die Politik auf einer Gradwanderung, mit Tendenz zum Kapital.
Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, dass die Gewerkschaften einen internationalen Dialog führen. Die Politik und das Kapital praktizieren das schon lange. (EU)
Sind wir gespannt, wie sich die Konvergenz entwickelt.