Herr von Boeselager hat in den letzten Jahren viele Reden gehalten und unzählige Interviews gegeben, in denen er immer wieder berichtet, wie er mit 1000 oder 1200 Reitern nach Berlin fliegen wollte um den Umsturz zu unterstützen. Leider belässt er es bei vagen Andeutungen und kein Interview-Partner fragt nach, wie er zu den vielen Transportflugzeugen auf einem Feldflugplatz kommen wollte. Die Heeresgruppe Mitte befand sich zu dieser Zeit in voller Auflösung (die Katastrophe war wesentlich größer als die von Stalingrad) und die Luftflotte 6 verfügte gerade noch über 60 (!) einsatzfähige Flugzeuge. Und das waren Jagd- und Kampfflugzeuge!
Weder Joachim Fest in "Staatsstreich" noch das Militärgeschichtliche Forschungsamt in "Aufstand des Gewissens", um nur zwei zu nennen, wissen offensichtlich von diesem Vorhaben.
Auch wenn die Ziele der Männer vom 20. Juli sehr fragwürdig waren (Monarchie, Ständestaat usw. ) so war es doch wichtig dieses Attentat durchzuführen, um der Welt zu zeigen, dass auch die Deutschen nicht mehr hinter dem "Führer" stehen und somit die Würde Deutschlands zu retten.
Leider kam das Attentat zu spät. Aber es war bei weitem nicht das Erste. Schon 1938 wollte man Hitler in einem Handgemenge in der Reichskanzlei erschiessen. Die Gruppe "Heinz" stand dazu bereit. Dies sollte geschehen, nachdem Hitler die CsR angegriffen hätte. "Leider" kam das Münchener Abkommen dazwischen.
Auch viele weitere Attentate scheiterten. Hitler kam immer wieder davon.
Herr v. Boeselager als wichtigster Zeitzeuge und letzter "Verschwörer" könnte uns dazu sicher noch viel erzählen. Ein grosser Mann, dabei Bescheiden geblieben. Halt ein typischer Preusse. Mehr Sein als Schein.
Noch ein Hinweis an die FAZ: Bitte schreiben Sie doch nicht "in die Masuren". Das ist polnische Diktion. Auf deutsch hiess es immer "nach Masuren".
Marc Müller
Putschen gegen ein Regime das man erst zum erfolg verholfen hat
als der „Endsieg“ unerreichbar wurde und die totale Niederlage greifbar wurde.
Ist das Heldenhaft?
Mut gehört sicher dazu sein Leben zu riskieren.
Die Motive der Leute vom 20. Juli 1944 mögen unterschiedliche gewesen sein,
allein ihr tun kam zu spät. Wissen konnten sie es bereits früher.
Bleibt die frage hätte sie Hitler auch nach dem Leben getrachtet wenn er die SU besiegt und die Engländer Frieden angeboten hätten?
Von Boeselager ist ein großer Mann, für dessen Tun und Denken Deutschland dankbar sein sollte. Sein Beispiel - wie auch jenes der anderen Verschwörer - zeigt, welch wichtigen Einfluss Anstand, Ehre und Information spielen können. Es zeigt auch, dass zwölf dunkle Jahre eine mehr als tausendjährige deutsche Geschichte schwerlich überdecken können. Dennoch: Hätten mehr Männer und Frauen der deutschen Gesellschaft, Wirtschaft und Wehrmacht den selben Mut aufgebracht (und das selbe Wissen gehabt!!), wäre vielen Völkern, darunter auch dem deutschen, eine Menge Leid erspart geblieben.
Es ist schade, dass dem Andenken der deutschen Verschwörer national wie international so wenig gedacht wird - ein nationaler Gedenktag wäre wohl eine geeignete Maßnahme, einen positiven Patriotismus mit dem Gedenken an eine schlimme Zeit zu verbinden.
Enrico Fels
z. Zt. Canberra
Wenn Böselager stirbt, stirbt der letzte der Soldaten, die diesem Land den letzten Zipfel Ehre bewahrt und es so vor der kompletten Verdammnis geschützt haben. Natürlich ist er ein Held, gerade weil er es nicht so sieht. Er hat überlebt, die anderen nicht. Das ist kein Kokettieren mit dem Heldentum. Für Böselager wie für andere echte Helden, sind nur die, die den ultimativen Preis für ihr Heldentum bezahlt haben, Helden. Er hat nur seine Pflicht als aufgeklärter Katholik getan.