Transnet-Chef Hansen

Gegenspieler und Gefährte für Mehdorn

Von Kerstin Schwenn

Schlüpft in viele Rollen: Gewerkschafter Hansen

Schlüpft in viele Rollen: Gewerkschafter Hansen

04. Juli 2007 Mal handelt er wie ein Gewerkschaftsführer, mal wie der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende eines internationalen Logistikkonzerns. Norbert Hansen, Vorsitzender der Eisenbahnergewerkschaft Transnet, tritt in verschiedenen Rollen auf. Für den Vorsitzenden der Deutschen Bahn, Mehdorn, ist er mal Gegenspieler, mal Gefährte.

In diesen Tagen kämpft Hansen für Einkommensverbesserungen der 134.000 nichtbeamteten Eisenbahner. Seine Tarifforderung nach sieben Prozent mehr Lohn, erstes und bisher letztes Wort in der diesjährigen Runde, liegt höher als jede andere Gewerkschaftsforderung. Hansen setzt darauf, dass die Bahn, die voriges Jahr einen Gewinn von mehr als zwei Milliarden Euro verbuchte, nicht aus dem Tarifkonflikt herauskommen wird, ohne die Beschäftigten teilhaben zu lassen. Der Bahnvorstand braucht die Beschäftigten und damit die Gewerkschaften, wenn es in naher Zukunft in die heikle Privatisierungsphase geht.

Männerfreundschaft mit Kehrseite

Hansen spielt als oberster Gewerkschafter im Aufsichtsrat eine wichtige Rolle. Mehdorn und er rühmen beide ihr gutes Verhältnis. Selten hat ein Gewerkschaftschef so klar für die Interessen eines Unternehmensführers geworben wie Hansen. Er unterstützt Mehdorns Börsenpläne - unter der Bedingung, dass Beschäftigungssicherung auch nach der Teilprivatisierung kein Fremdwort ist, obwohl Investoren auf Rendite dringen. Letzten September organisierte Hansen einen Streik für den Börsengang mit Schienennetz. Von vielen wurde dies nicht als Protest gegen die Bahnführung wahrgenommen, sondern als Druck auf die Bundesregierung.

Doch die Männerfreundschaft mit Mehdorn hat eine Kehrseite: Im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) hat der pragmatische Hansen derzeit keinen leichten Stand. Die Gewerkschaft Verdi, die sich in Verkehrsfragen nicht den Rang streitig machen lassen will, hat sich ausdrücklich gegen eine Bahnprivatisierung ausgesprochen, im DGB-Bundesvorstand hat sich diese Linie durchgesetzt - für Hansen eine Niederlage. Der Konflikt wird dadurch verschärft, dass sich Transnet und die Beamtengewerkschaft GDBA in der Tarifgemeinschaft angenähert haben. Auch der Deutsche Beamtenbund sieht die Entwicklung mit organisationspolitischem Argwohn.

Ohrstecker und Harley Davidson

Das ist an Hansen, der die Gewerkschaft seit 1999 führt, nicht spurlos vorübergegangen. Die Jungenhaftigkeit, die sich der gebürtige Husumer lange bewahrte, ist verschwunden - auch wenn er nach wie vor den kleinen Ohrstecker trägt und Harley Davidson fährt. Hansen, seit Montag 55 Jahre alt, ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder. Er arbeitet seit seinem 15. Lebensjahr bei der Bahn. Als Jungwerker fing er an, erst als Rangierer, später am Schalter, seit 1979 als Gewerkschaftsfunktionär.

Mitte nächster Woche wollen die Transnet-Delegierten auf dem außerordentlichen Gewerkschaftstag in Fulda über das künftige Verhältnis zur GDBA und über die Bahnprivatisierung beraten. Hansen wusste bisher immer die Mitglieder hinter sich, Wahlergebnisse von deutlich mehr als 90 Prozent belegen dies. Aber er fährt einen risikoreichen Kurs.

Text: F.A.Z., 04.07.2007, Nr. 152 / Seite 8
Bildmaterial: AP, F.A.Z.-Greser&Lenz

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
FAZfinance.NET: Zinsentwicklung

Optimieren Sie Ihre Anlagestrategie

Profitieren Sie von der F.A.Z.-Zinsentwicklungsübersicht und vergleichen Sie beispielsweise verschiedene Refferenzzinssätze bei Tagesgeldkonditionen oder bei Krediten.

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche