Diplomatie zwischen Damaskus, Beirut und Paris

Der lange Weg zur Anerkennung des Libanon

Von Rainer Hermann

13. Juli 2008 Die Ankündigung Syriens, mit dem Libanon erstmals seit der Gründung der beiden Staaten diplomatische Beziehungen aufzunehmen, bricht mit einem Grundsatz syrischer Politik. Nie hatte Damaskus die Souveränität des Libanon anerkannt und hatte sich auch nicht mit dessen Unabhängigkeit abgefunden.

Entstanden war der Libanon, indem Frankreich zweimal durchsetzte, dass aus dem historischen Großsyrien „Bilad al Sham“ der Libanon in seiner heutigen Form herausgeschnitten wurde. Der erste Anlass war das Massaker von 1860, bei dem im Libanongebirge Tausende Christen getötet wurden. Auf den Druck Frankreichs hin, das sich als Schutzmacht für die französischen Christen in der Levante verstanden hatte, stimmte das Osmanische Reich der Umwandlung des „Mont Liban“, des historischen Siedlungsgebiets der maronitischen Christen, in eine autonome osmanische Provinz unter einem christlichen Gouverneur zu.

Seit über sechs Jahrzehnten in der Unabhängigkeit

1920 war Frankreich durch Beschluss des Völkerbundes Mandatsmacht über Syrien und den Libanon geworden. Frankreich folgte dem Vorschlag der maronitischen Christen und schlug dem „Mont Liban“ Beirut, den Norden, Süden und die Bekaa-Ebene hinzu, die Teil der osmanischen Provinz Damaskus waren. Damit entstand der Libanon in seiner heutigen Form.

Frankreich entließ den Libanon 1943 in die Unabhängigkeit, Syrien 1946. Vor allem die muslimischen und griechisch-orthodoxen Bürger des Libanon betrachteten ihre neue Republik als Teil Syriens, sie akzeptierten ihren neuen Staat nur zögerlich.

Ihnen hielten die Maroniten entgegen, der Libanon habe sich immer von seiner arabisch-muslimischen Umwelt unterschieden. Syrien aber nahm nie diplomatische Beziehungen mit dem neuen Nachbarstaat auf. Zwar stellte Damaskus in der internationalen Politik nie formell die Unabhängigkeit des Libanon in Frage. Syrien versuchte aber über Jahrzehnte, seine Dominanz über den Libanon über Verträge abzusichern und seinen Einfluss zu maximieren.

Vor drei Jahren Ende der syrischen Präsenz

Am größten war der Einfluss, nachdem Syrien 1976, im zweiten Jahr des libanesischen Bürgerkriegs, seine Armee in das Nachbarland entsandte. Zwei Jahre später drohte Assads Stellvertreter Chaddam den Libanesen, „Beirut nicht mehr zu bombardieren“, sondern „zu anderen Mitteln“ zu greifen, also als Stellvertreter Palästinenser und andere Gruppen einzusetzen.

Der bilaterale Vertrag von 1985 zur „strategischen Komplementarität“ schrieb die Präsenz der syrischen Truppen fest. Das Abkommen von Taif, das 1989 den Bürgerkrieg beendete, besiegelte die „pax syriana“. 1991 regelte ein „Abkommen der Bruderschaft“, dass der Libanon alle Politik mit Syrien zu koordinieren habe. Im gleichen Jahr schrieb ein Verteidigungsabkommen die Stationierung der syrischen Truppen fest.

Zurückziehen mussten sie sich auf internationalen Druck im April 2005 nach der Ermordung des ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Hariri. Das Attentat war auch der Grund, weshalb Frankreich seine Beziehungen zu Damaskus einfror. Mit dem Besuch Assads in Paris sind die Beziehungen wieder normalisiert. (Siehe auch: Syrien und Libanon nähern sich an: Sarkozys „historischer“ Kraftakt)



Text: F.A.Z:
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb

 
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