Von Lorenz Jäger
04. April 2007 Hitler selbst hatte ihm Ende April 1945 zur Flucht aus dem Bunker geraten. Kurz vor dem Selbstmord des Führers entkam Bernd Freytag von Loringhoven. Unter heftigem russischem Feuer gelang es ihm, sich zu den Westalliierten durchzuschlagen. Zu einer Flucht über die Havel mit einem Elektromotor-Boot hatte ihm Hitler geraten - Freytag-Loringhoven nahm indes mit dem Rittmeister Gerhard Boldt ein Paddelboot, um jeden Lärm zu vermeiden. Freytag-Loringhoven geriet in britische Kriegsgefangenschaft und wurde dort unter anderem von dem späteren NS-Historiker Hugh Trevor-Roper verhört, der dann ein Buch über Hitlers letzte Tage schrieb.
Am 6. Februar 1914 wurde der Freiherr im heutigen Estland geboren. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Generalstabsoffizier auf dem russischen Kriegsschauplatz, als Adjutant des Heeresgeneralstabschefs Guderian nahm seit Ende Juli 1944 an den Lagebesprechungen im Führerhauptquartier teil. Bei der Produktion von Bernd Eichingers Film Der Untergang konnte Freytag-Loringhoven noch zu Rate gezogen werden.
Mit Hitler im Bunker
Kriegsverbrechen waren dem Offizier nicht zur Last zu legen, im Januar 1948 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Als die Bundeswehr gegründet wurde, trat er in den Dienst der neuen Armee. Er wurde stellvertretender Generalinspekteur und schied im Rang eines Generalleutnants 1973 aus dem Dienst aus. Sein Erinnerungsbuch Mit Hitler im Bunker - Aufzeichnungen aus dem Führerhauptquartier Juli 1944 - April 1945 erschien zunächst auf französisch, dann auf deutsch und schließlich in vielen Übersetzungen.
In ihm beschrieb er seine Desillusionierung angesichts des Verfalls, den er nach dem 20. Juli 1944 an Hitler bemerkte - vom Charisma war nichts mehr geblieben: Ich habe den Eindruck, den Hitler beim Betreten des Raumes auf mich machte, nie vergessen. Das war nicht der ,Führer des Großdeutschen Reiches', sondern ein Mann von 55 Jahren mit der Haltung eines Greises: gebeugt, hinkend, den Kopf zwischen die Schultern gezogen, mit blassem Gesicht, dumpfem Blick und grau-fahler Haut. Er ging mit kleinen Schritten, zog das linke Bein nach und trug den rechten Arm, der bei dem Attentat leicht verletzt worden war, in einer Schlinge. Mit schlaffem Lächeln reichte Hitler mir seine schwammige Hand und murmelte ein paar Begrüßungsworte. Für den Augenblick hatte ich den Eindruck, eine Wachsfigur vor mir zu haben. Ich sah zu meinem Schrecken, dass das Reich von einem Wrack geführt wurde.
Bernd Freiherr von Freytag-Loringhoven ist, wie erst jetzt bekannt wurde, am 27. Februar in München gestorben. Nun ist Rochus Misch, Hitlers Leibwächter und Telefonist, der letzte, der noch von den gespenstischen Tagen des April 1945 im Bunker erzählen kann.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z.-Barbara Klemm
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