Wolfgang Clement

Der Impulsive

Von Günter Bannas, Berlin

Wolfgang Clement mit seinem Anwalt Otto Schily am 12. Juli 2008 vor der Anhörung in Düsseldorf

Wolfgang Clement mit seinem Anwalt Otto Schily am 12. Juli 2008 vor der Anhörung in Düsseldorf

25. November 2008 Frühere Mitarbeiter Wolfgang Clements wissen Geschichten zu erzählen, nach denen er – meistens frühmorgens – Forderungen erhob und Entscheidungen vorwegzunehmen suchte, die, wo auch immer, hernach ziemlichen Ärger entfachten: In Düsseldorf und Berlin, als Ministerpräsident und Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit und auch als stellvertretender SPD-Vorsitzender. Dann stöhnten sie über den „Wolfgang“ und seine cholerische Art, die er schon ganz früher hatte, als er noch der Pressesprecher des SPD-Parteivorstands in Bonn war. Clement gehörte zu jener Spezies Politiker, der sich nicht den Umständen und Anforderungen des Parteilebens fügen wollte. Jedenfalls pflegte er so zu tun.

Clement stammt aus dem Ruhrgebiet, das zu seiner früheren Zeit durch und durch sozialdemokratisch war. Er wurde 1940 in Bochum geboren, machte Abitur und studierte in Münster Rechtswissenschaften. Clement wurde Journalist bei der „Westfälischen Rundschau“ in Dortmund. 1970, als Willy Brandt Bundeskanzler war, trat er in die SPD ein.

Beste Freunde, Lieblingsfeinde

Er wurde von Hans-Jürgen Wischnewski in die damalige Parteizentrale, das „Erich-Ollenhauer-Haus“ in Bonn geholt. Als während der Kanzlerkandidatur von Johannes Rau 1986/87 Brandt die Formulierung fand, 42 Prozent wären auch ein „schönes Ergebnis“, trat Clement mit Vorwürfen an den SPD-Vorsitzenden zurück. Später wurde er in Düsseldorf Leiter der Staatskanzlei, Landeswirtschaftsminister und 1998 dann Ministerpräsident einer rot-grünen Regierung. Bärbel Höhn von den Grünen wurde seine Lieblingsfeindin. Im Herbst 2002 wurde er von Bundeskanzler Schröder als „Superminister“ für Wirtschaft und Arbeit nach Berlin geholt.

Zusammen mit dem damaligen Chef des Kanzleramts, Steinmeier, gehörte Clement zu den Protagonisten der „Agenda 2010“-Reformen Schröders. Inhaltlich konnte sich Schröder auf ihn verlassen. Doch machte ihm Clement auch in der Art seiner Vorträge immer wieder innerparteiliche Schwierigkeiten.

Das Ende vor dem Ende der Parteikarriere

Überdies zeigte Schröder dem „Superminister“ und stellvertretenden Parteivorsitzenden auch die Grenzen seines Einflusses. Er zog Clement weder zu der Entscheidung, 2004 vom Amt des SPD-Vorsitzenden zurückzutreten und es Franz Müntefering zu übergeben, noch beim Vorhaben zu Rate, die Wahlperiode des Bundestags 2005 vorzeitig zu beenden. Danach wurde Clement nicht gefragt, ob er in der großen Koalition Bundesminister werden wolle. Seine politische Karriere war beendet.

Clement hat nun geschrieben, seinen Austritt „nach gründlicher Abwägung“ vollzogen zu haben. Beinahe wie ehedem 1999 Oskar Lafontaine hat er besonders diejenigen in der SPD enttäuscht, die seine politischen Auffassungen teilen. Sie beginnen, sich umso schärfer von ihm zu distanzieren, um ihre Positionen in der SPD mehrheitsfähig zu halten. Also heißt es auch in ihren Kreisen, Clement habe allein der Partei seine politische und auch berufliche Karriere zu verdanken.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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