Erdogan-Berater

„Berlin könnte auch dankbar sein“

Von Rainer Hermann, Istanbul

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12. Februar 2008 Cüneyd Zapsu, ein enger Berater des türkischen Ministerpräsidenten und AKP-Vorsitzenden Erdogan, kann die Aufregung nicht verstehen. Es sei unfair, die gesamte Reise auf einige Dissonanzen zu reduzieren, sagt er.

Zapsu hatte Erdogan auf seiner Reise begleitet. Zwar sei etwa der Vorschlag zur Gründung türkischer Schulen in Deutschland unglücklich gewesen. Aber letztlich könne die Bundesregierung Erdogan sogar dankbar sein, meint Zapsu, der seine Kindheit und Jugend in München verbracht hatte. Als Empörung und Wut aufflammten, sei Erdogan rechtzeitig in Ludwigshafen gewesen und habe eine Ausweitung dieser Flammen zu einem Lauffeuer verhindert. Nicht wenigen Türken war Erdogans Ansprache in Ludwigshafen zu mild. Doch Erdogans Botschaft an seine Landsleute sei, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren, sagt Zapsu.

Assimilation: Eigene Herkunft vergessen, Religion aufgeben

In Berlin hatte sich Erdogan mit Bundeskanzlerin Merkel getroffen, in München mit Ministerpräsident Beckstein, in München wie in Köln mit den Oberbürgermeistern Ude und Schramma. Von allen Begegnungen will Erdogan den Eindruck mitgenommen haben, dass Integration gewollt sei, nicht aber Assimilation – von der er dann in seiner Kölner Rede behaupten sollte, sie sei ein Verbrechen an der Menschlichkeit. Unter Assimilation, so interpretiert Zapsu seinen Parteivorsitzenden, verstehe Erdogan, die eigene Herkunft zu vergessen und die Religion aufzugeben. Unter Integration verstehe er, sich in dem Land mit seinen Strukturen einzugliedern, Deutscher zu werden und als solcher im Alltag nicht aufzufallen.

Spätestens in Köln will Erdogan seinen Vorschlag, in Deutschland türkische Schulen zu bauen, präzisiert haben. Die Türkei, ob als Staat oder über Privatpersonen, hat von Russland bis Ruanda zahlreiche Auslandsschulen gebaut. Erdogan spricht gerne von ihnen. Bei dieser Reise sei Erdogan abermals aufgefallen, dass die dritte Generation von Türken in Deutschland zu oft weder ein gutes Deutsch spreche noch die Muttersprache ihrer Eltern, sagt Zapsu. Wer die Muttersprache beherrsche, lerne leichter eine neue Sprache hinzu. Erdogans Vorschlag ziele nicht auf eine flächendeckende Verbreitung, sondern auf einige wenige, „symbolisch“ gemeinte Schulen. Erdogan hielt in Köln die flammende Rede, der Istanbuler AKP-Abgeordnete und Erdogan-Berater Egemen Bagis legte dann etwas weniger pathetisch dar, wie sich seine Partei die Integration der Türken in Deutschland vorstellt.

„Europäische Türken“

Der Veranstalter der Kölner Kundgebung, die „Union Europäisch-Türkischer Demokraten“ (UETD), nennt als ihr Ziel, die Integration der in Deutschland und ganz Europa lebenden Türken als „europäische Türken“ zu fördern und dafür zu sorgen, dass sie in ihren Staaten aktive Staatsbürger werden. Die UETD bezeichnet sich aber als erste nicht parteigebundene türkische Organisation in Deutschland. Weder die AKP noch die UETD habe mit Erbakans islamistischer Bewegung Milli Görü irgendeine Verbindung, und darauf sei auch bei der Auswahl der Gründungsmitglieder geachtet worden, versichert Zapsu. Die UETD sei ja gerade gegründet worden, um eine eigenständige Tradition zu beginnen.

In der großen Sporthalle von Köln, sagt Zapsu, sei übrigens sowohl die deutsche als auch die türkische Flagge gehisst worden, sowohl die deutsche als auch die türkische Nationalhymne seien zu hören gewesen: „Und Sie würden staunen, wie viele Türken die deutsche Nationalhymne mitgesungen haben.“



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, reuters

 
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