14. Dezember 2007 Zwei hessische Museumsleiter zieht es in die Hauptstadt: Udo Kittelmann, Direktor des Frankfurter Museums für Moderne Kunst (MMK), und Michael Eissenhauer, Chef der Staatlichen Museen Kassel, treten die Nachfolge von Peter-Klaus Schuster an. Der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin geht im Oktober 2008 in den Ruhestand. In Personalunion ist Schuster auch Direktor der Nationalgalerie. Künftig aber wird Kittelmann diese Funktion ausüben, während Eissenhauer als Generaldirektor Herr über sämtliche von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz getragenen Häuser wird, darunter das Pergamon-Museum und das Bode-Museum.
Zum Gesamtkomplex der Nationalgalerie mit ihren Sammlungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert gehört auch der Hamburger Bahnhof mit seiner Kollektion zeitgenössischer Kunst, die einzige Einrichtung, die mit den bisherigen Stationen Kittelmanns als Kunstvermittler direkt vergleichbar ist. Vor zwei Jahren hatte die Stadt Frankfurt den Vertrag mit dem 1958 in Düsseldorf geborenen Quereinsteiger in den Ausstellungs- und Museumsbetrieb, der vorher als Augenoptiker tätig war, bis 2011 verlängert.
Kulturdezernent enttäuscht über Weggang von Kittelmann
Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) zeigte sich überrascht und sagte, er sei persönlich etwas enttäuscht darüber, dass er vom Plan des Museumsleiters, nach Berlin zu wechseln, nicht von diesem selbst erfahren habe. Der Staatsminister für Kultur und Stiftungsratsvorsitzende der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Bernd Neumann (CDU) habe allerdings am späten Nachmittag bei dessen Parteikollegin, Oberbürgermeisterin Petra Roth, angerufen, um sie von der Entscheidung der Findungskommission in Kenntnis zu setzen.
Der Stiftungsrat muss dem Votum für die beiden Museumsleute aus Hessen am Dienstag allerdings noch zustimmen. Semmelroth versicherte, Kittelmann keine Hindernisse in den Weg zu legen. Gemeinsam werde man versuchen, den Kontrakt vorzeitig aufzulösen. Im nächsten Jahr werde Kittelmann jedoch seine Verpflichtungen, die sich aus dem Vertrag ergeben, noch in vollem Umfang erfüllen müssen. Es ist ein Kompliment für die Museen hier und für Frankfurt, dass dem Direktor des Museums für Moderne Kunst eine der wichtigsten Positionen in der deutschen Museumslandschaft angeboten wird, führte der Kulturdezernent aus. Seine Arbeit hier ist vorzüglich, er macht seine Sache großartig. Er werde sich nun erst einmal mit Kittelmann treffen und die Lage besprechen, danach wolle er zügig entscheiden, auf welche Weise ein neuer Direktor für das Tortenstück gefunden werden könne.
Semmelroth dürfte freilich auch ärgern, dass Kittelmann nicht das Gespräch mit ihm gesucht hat, um Bedingungen auszuloten, unter denen er in Frankfurt bleiben würde. Seit längerem ist bekannt, dass der Museumschef unzufrieden mit der Situation in der Stadt ist, was die Machtverhältnisse in den Museen und Ausstellungsinstitutionen angeht. So entstand in der Vergangenheit immer wieder der Eindruck, Kittelmann fühle sich gegenüber Max Hollein benachteiligt, der neben der Schirn-Kunsthalle seit 2006 auch das Städel-Museum und das Liebieghaus, das Museum alter Plastik, leitet. Vor allem soll Kittelmann zugesetzt haben, dass es Hollein gelungen ist, im Zuge des Vorhabens, das Städel architektonisch zu erweitern, die Fotosammlung der DZ-Bank für sein Haus zu gewinnen - eine Kollektion, die, wie Kittelmann offenbar meint, ins Museum für Moderne Kunst gehört. Dem Vernehmen nach bemängelt der Museumsdirektor, der gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, seit längerem, in Frankfurt fehle ein Gesamtkonzept für die zeitgenössische bildende Kunst.
Spektakuläre Großveranstaltungen in Berlin
Kittelmann, der von 1994 bis 2001 den Kölnischen Kunstverein geleitet und 2002 von Jean-Christophe Ammann die Leitung des 1991 eröffneten Frankfurter Museums übernommen hatte, tut sich hier vor allem als Ausstellungsmacher hervor. Mit großen Präsentationen zeitgenössischer Künstler gibt er dem Publikum viel zu denken. Mangels Ausstellungsfläche leidet darunter jedoch die hauseigene Sammlung, deren Konturen zunehmend verwischt werden. So erlebt der Beobachter in Frankfurt eine Situation, in der sich das altehrwürdige Städel zunehmend der Moderne widmet, während das Museum für Moderne Kunst sich als Ausstellungsort profiliert, wobei die ständige Sammlung in den Hintergrund tritt.
Als Ausstellungshalle mit gewaltiger Publikumsresonanz hat die Neue Nationalgalerie in Berlin, deren eigene Sammlung einen Schwerpunkt auf der klassischen Moderne hat, in den vergangenen Jahren von sich reden gemacht. Anders aber als in Frankfurt, wo Kittelmann einem hohen Qualitätsanspruch gerecht wird, setzte man in der Hauptstadt auf spektakuläre Großveranstaltungen wie die Schau mit allseits bekannten Meisterwerken aus dem New Yorker Museum of Modern Art.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Helmut Fricke