FAZ.NET-Spezial

Die Zukunft der Frankfurter Altstadt

Die Stadt Frankfurt hat vor kurzem das Technische Rathaus zurückgekauft. Nach dem für die Jahreswende 2008/2009 geplanten Umzug der städtischen Ämter, die in dem Betonungetüm ihren Sitz haben, soll es abgerissen werden. Damit bietet sich die Gelegenheit, einen Teil der früheren Altstadt zwischen Dom und Römerberg neu zu bebauen. Über die Architektur, die dort entstehen soll, ist im Sommer 2005 eine intensiv geführte Debatte entbrannt. Die Positionen reichten von der Idee einer geschlossen modernen Bebauung bis hin zur Forderung nach der Rekonstruktion möglichst vieler Fachwerkhäuser, die im Krieg verbrannt sind.

Am 8. Mai hat die schwarz-grüne Koalition die Grundzüge ihrer Vorstellungen für die Neubebauung vorgestellt. So sollen sieben Häuser von herausragender stadthistorischer Bedeutung möglichst originalgetreu rekonstruiert werden: Die Goldene Waage, das Rote Haus, der Rebstock und die Häuserzeile Junger Esslinger, Alter Esslinger, Goldenes Lämmchen und Klein Nürnberg. Die übrigen Parzellen sollen mit zeitgenössischen Häusern bebaut werden, deren Äußeres aber nach einer strengen Satzung gestaltet werden muss, die Vorgaben für Fassadenfarbe und -material, für Traufhöhen, Dachneigungen und Fenstergrößen macht.

Keine verlässlichen Angaben zu den Kosten

Nach den Vorstellungen von CDU und Grünen sollen möglichst viele Bürger als Bauherren gewonnen werden, damit ein buntes und lebendiges Quartier entsteht. Die Baufelder, die dem historischen Grundriss möglichst nahe kommen sollen, werden in kleine Parzellen gegliedert. Ausdrücklich soll vermieden werden, dass die kleinteiligen Fassaden nur Kulisse für großflächige Nutzungen sind. Um einen reibungslosen Projektfortschritt sicherzustellen, soll die Betreuung der Bauarbeiten einem Projektsteuerer übertragen werden. Die Erdgeschossflächen werden einem Quartiersmanagement unterstellt, das für eine attraktive Mischung aus Läden und Restaurants sorgen soll. In das Konzept sollen auch Gebäude in der näheren Umgebung einbezogen werden, die der Stadt oder ihren Tochterunternehmen gehören.

Über die Kosten, die für die Stadt entstehen, liegen noch keine verlässlichen Zahlen vor. Zu berücksichtigen sind der Abriss des Technischen Rathauses und eines Teiles der Tiefgarage Römer sowie die Stabilisierung der Tiefgarage gegen den Auftrieb des Grundwassers. Beides wird einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Für die Rekonstruktion der sieben historischen Häuser ist nach Expertenmeinung ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag anzusetzen. Im Haushalt der Stadt wird auch zu berücksichtigen sein, dass das Areal, das für rund 70 Millionen Euro zurückgekauft wurde, wegen der niedrigeren Ausnutzung deutlich an Wert verliert. Wie hoch die Einnahmen aus der Vergabe von Erbpachtgrundstücken sein werden, lässt sich noch nicht abschätzen.

2014 könnte neue Altstadt fertig sein

Es ist noch unklar, wann mit den Bauarbeiten begonnen werden kann. Sicher ist, dass zunächst das Technische Rathaus abgerissen werden muss. Das wird nicht vor Ende 2009 geschehen sein. Die Zeit, die bis dahin bleibt, kann und muss für vielfältige Aufgaben genutzt werden. Zunächst müssen die Stadtverordneten der Magistratsvorlage zum weiteren Vorgehen zustimmen, die demnächst auf den Weg gebracht werden soll. Im Herbst könnte es soweit sein. Dann könnten die vertiefenden Untersuchungen zu Statik und ähnlichem vergeben werden. Anschließend könnten die Bauherren ihr Interesse anmelden und Architekten mit Entwürfen beauftragen. Unter Immobilienexperten gilt es als unwahrscheinlich, dass vor dem Jahr 2011 mit den Neubauten begonnen wird. Etwa im Jahr 2014 könnte die neue Altstadt fertiggestellt sein - wenn alles glatt verläuft, was bei Projekten dieser Größenordnung nie der Fall ist.

Dieses FAZ.NET-Spezial spiegelt den Verlauf der Diskussion um die Zukunft der Altstadt wider.

Text: @ale
Bildmaterial: F.A.Z. - Foto Helmut Fricke, FAZ.NET

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