Denkmal

Goethe glänzt in frischem Grün

Von Michael Hierholzer

28. August 2007 Von Enthüllung kann nicht wirklich die Rede sein. Am Dienstagmorgen früh um sechs waren dem frisch aus einem norddeutschen Restaurierungsbetrieb entlassenen Dichterfürsten die Plastikplanen vom bronzenen Leib gerissen worden. Als das Stadtoberhaupt überpünktlich, nämlich ein paar Minuten früher als zwei Uhr nachmittags, dem nach langen Jahren in die Nähe seines ursprünglichen Standorts zurückversetzten Geistesheroen ein paar Worte der freudigen Erregung entgegenschleuderte, stand der schon in seiner ganzen grünlichen Pracht vor den Augen der zahlreich erschienenen Paare und Passanten.

Die Stadt, in altgewohnter Nüchternheit, gönnte dem einst von Ludwig von Schwanthaler aus dem Metall alter türkischer Kanonen gegossenen Goethe kein Tuch, kein Tüchlein, nichts. Zu teuer wäre dies geworden, ist aus dem Kulturamt zu vernehmen, ein Gerüst hätte errichtet werden müssen, um einen anständigen Enthüllungseffekt zu erzielen.

Aufführung der Dramatischen Bühne

So fiel die Feier äußerst karg aus. Oberbürgermeisterin Petra Roth berichtete emphatisch davon, überall auf der Welt auf Goethe als den größten Sohn Frankfurts angesprochen zu werden. Und die Dramatische Bühne ließ mit viel Klamauk Figuren aus seinen Stücken lebendig werden. Danach riefen die falschen Polizisten Florian Fiedler und Martin Butzke die lockere Festversammlung zur Ordnung und zur Teilnahme an einem Parcours auf, der letztlich zu Goethehaus und Sprechtheater führte.

Erste Station war das dritte Untergeschoss der neuen Tiefgarage unter dem Goetheplatz, weiter ging es zu architektonischen Juwelen wie dem Verkaufs- und Beratungspavillon einer bekannten Telekommunikationsgesellschaft. Darsteller des Frankfurter Schauspiels lasen Texte des Meisters in ungewöhnlicher Umgebung, Passagen aus Schriften, die zu den urbanen (Un-)Orten bestens zu passen schienen und so überraschende Aktualität gewannen.

Dass das Denkmal nun endlich auf dem Goetheplatz steht, mitten in der Stadt, wo es hingehört, mag den einen oder anderen Frankfurter irritieren, da das stattliche Werk jahrelang an der Gallusanlage am Rand des Bahnhofsviertels recht und schlecht vor sich hin brütete. Künftige Besucher dagegen, wie etwa die eingeschworenen Goethe-Freunde aus Fernost, müssen sich fortan nicht mehr darüber wundern, dass der bedeutendste Frankfurter aller Zeiten irgendwo im städtischen Nirgendwo abgestellt ist. Sie werden es für selbstverständlich nehmen, dass Deutschlands weltoffener Nationaldichter in der Stadtmitte residiert, umgeben von einem kleinen Hain, auf einem dann hoffentlich angenehm gestalteten großen Platz.

Festwoche „Goethe ffm“

Bei den Landsleuten des 1749 am Großen Hirschgraben Geborenen jedoch steht eine Wiederaneignung auf dem kulturellen Programm. Es wundert im Nachhinein nicht, dass das Monument Mitte der siebziger Jahre vom Theaterplatz, heute Willy-Brandt-Platz, verbannt wurde, schließlich hatte die hessische Bildungspolitik seinerzeit den Lehrplan von Klassikern weitgehend befreit.

Das Verhältnis Frankfurts zu Goethe wurde noch kühler, als es ohnehin schon war – immerhin hatte der Mann die Stadt einst verlassen, um in einem Dorf namens Weimar seinen Weltruhm zu begründen. Das nahm ihm mancher Mitbürger übel. In den siebziger Jahren des vorigen Säkulums kam noch hinzu, dass der Verfasser von „Faust“ und „Farbenlehre“ als verstaubt galt.

Aber Goethe eignet sich, recht besehen, gar nicht zum Denkmal. Die Festwoche „Goethe ffm“ mit ihren Veranstaltungen vor allem im Schauspiel und im Goethehaus legt davon Zeugnis ab. Den unorthodoxen Geist Goethes belegt allerdings sogar die Plastik, die sich die Bürger 1844 auch selbst und ihrem Anspruch auf gesellschaftliche Führerschaft gesetzt haben. Der Mantel des in Bronze gegossenen Dichterfürsten ist links geknöpft. Er soll, heißt es, wegen eines Sparsamkeits-Ticks abgetragene Kleidungsstücke gewendet und falsch herum wieder angezogen haben, was Schwanthaler, dem Realismus verpflichtet, der Nachwelt habe überliefern wollen.

„Goethe ffm“

Am Mittwochabend um 20 Uhr hat im Frankfurter Schauspielhaus Florian Fiedlers Inszenierung der „Leiden des jungen Werther“ Premiere, am Donnerstag um 20 Uhr im Bockenheimer Depot Wanda Golonkas Deutung von „Iphigenie auf Tauris“. Michael Thalheimers „Faust I“, ein Gastspiel des Deutschen Theaters Berlin, wird am 31. August im Schauspielhaus gezeigt, am 2. September folgt „Faust II“, ebenfalls in Thalheimers Regie. Im Goethemuseum finden bis 31. August jeweils um 16 Uhr Sonderführungen durch die Ausstellung zu Goethes „Faust“ statt.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Helmut Fricke

 

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