Thilo Heinzmann bei Parisa Kind

Weiße Linie auf weißem Grund

Von Christoph Schütte

27. März 2008 Mut hat er ja. Das muss man Thilo Heinzmann lassen. Da findet sich ein großer violetter Amethyst auf weißer Fläche, die von dunklem Pferdehaar gekontert wird, da wachsen veritable Bergkristalle aus dem Bildgrund, und überhaupt setzt der Künstler oft Materialien ein, die seine Bilder zu verhübschen drohen, dass es einen schwindelt. Das ist riskant, keine Frage, denn hier die Balance zu halten erweist sich gelegentlich als durchaus heikel. Dabei, so zeigt sich einmal mehr in der dritten Einzelausstellung des 1969 geborenen Städelabsolventen in der Frankfurter Galerie Parisa Kind (Offenbacher Landstraße 11-13), sind seine stärksten Arbeiten in aller Regel jene, in denen Heinzmann dem minimalistischen Grundton seiner im Kern malerischen Exkursionen traut und auf Tand und Flitter weitgehend verzichtet. Oder wenigstens so genau dosiert, dass nicht Materialität und schnöder Glanz von Fell und Steinchen und dergleichen die Komposition ganz zu überlagern trachten, sondern sich ganz selbstverständlich darin fügen.

Dass sich der in Berlin lebende Künstler nach dem Styropor früherer Jahre inzwischen ganz auf weiße Aluminiumplatten als Trägermaterial für seine Bilder konzentriert, eröffnet ihm trotz der makellosen Oberfläche neue Möglichkeiten. Hier wie dort aber genügt ihm manchmal eine einzige, ebenso entschiedene wie gewalttätige Geste, um eine Arbeit schlüssig zu vollenden. War es bei den Styroporarbeiten mitunter kaum mehr als eine mit Aceton gezogene Linie, zeigt „MAV“ aus diesem Jahr nichts als einen äußerst präzise gesetzten Schnitt à la Fontana – die Spuren eines Beilhiebs, um genau zu sein –, einen schmalen Riss in weiter weißer Fläche. Doch das Ergebnis ist ebenso poetisch wie bei näherer Betrachtung ganz und gar obszön, kurz: ein in jeder Hinsicht wunderbares Bild.

Frei von jedem falschen Ton

Dass Heinzmann, der bei Thomas Bayrle studiert hat, von der Malerei kommt, deren Grundbedingungen er analysiert, lässt sich auch abseits der Fontana-Referenzen kaum übersehen. Wenn sich in „SOW“ auf makelloser, spiegelnd weißer Fläche hier eine entschieden gesetzte Diagonale aus gebrochenem Furnier, dort eine fließende, stockende, verkrustete Linie aus gegossenem Zinn sowie ein Flecken weißes Fuchsfell treffen, dann ist das ein ebenso schlichtes wie konzentriertes Zusammenspiel aus Gesten, Formen und zurückhaltenden Farben.

Wie so oft bei Heinzmann sind es die Papierarbeiten, deren diskretem Charme man sich kaum entziehen kann. Weiße, äußerst elegante und hier als scharfer und präziser Schnitt mit dem Messer, dort mit einem stumpfen Werkzeug gezogene Linien auf weißem Grund, ein dezenter Farbakzent allenfalls: Auch das könnte man mutig nennen. Doch der Klang, den diese Blätter anschlagen, ist frei von jedem falschen Ton.

Die Ausstellung in der Galerie Parisa Kind ist bis zum 5. April, dienstags bis freitags von 13 bis 18 Uhr, samstags von 12 bis 16 Uhr, geöffnet, bis zum 5. April nur nach Vereinbarung unter Telefon 01



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Galerie Guido W. Baudach

 

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