Vereinsjubiläum

Die Zukunft ist in die Jahre gekommen

Von Christoph Schütte

07. Juni 2005 Die Zukunft, sie findet in Trautheim statt. Zugegeben: Cyborgs wurden nicht gesichtet beim „Jubiläumscon“ des „Science Fiction Club Deutschland“ (SFCD), auch Androiden gaben sich nicht zu erkennen, und augenscheinlich hatte auch kein von Aliens gesteuertes Raumschiff den Weg nach Mühltal-Trautheim bei Darmstadt gefunden. Damit aber hatten vermutlich nicht einmal die Veranstalter vom Science Fiction Treff Darmstadt gerechnet. Denn die Zukunft, bei der Jubiläums-Convention zum fünfzigjährigen Bestehen war es nicht zu übersehen, ist in die Jahre gekommen und ihre Protagonisten sind es auch.

Mit anderen Worten: Den ältesten und wohl immer noch größten Club seiner Art in Deutschland plagen Nachwuchssorgen. Trotz „Star Trek“-Kult und „Star Wars“-Begeisterung, Fantasy-Boom und „Herr der Ringe“. Oder vielleicht gerade deswegen. Denn während das heterogene Genre sich in Film und Fernsehen ungebrochener Beliebtheit erfreut, „Trekkies“ oder „Star Wars“-Fans ihre eigene, gelegentlich etwas schräge Kultur pflegen, ist die Begeisterung für Science-fiction-Literatur, die die rund 400 verbliebenen Mitglieder des SFCD vor allem verbindet, in den vergangenen Jahren offenbar geschwunden. Die Lust zu lesen, so muß auch die Vorsitzende Birgit Fischer konstatieren, nimmt ab, die neuen Medien laufen, so scheint es, auch der Science-fiction allmählich den Rang ab.

Dabei hat mit Büchern und billigen Heftchen einmal alles angefangen. Mit der Begeisterung damals noch gerne als „Spinner“ titulierter junger Leute für „Zukunftsromane“, die, wenige Jahre nach dem Krieg, lasen, was sie kriegen konnten, und nicht selten als Fans ihre ersten eigenen Geschichten schrieben; mit Übersetzungen aus dem Englischen und Amerikanischen oder der „Perry Rhodan“-Reihe des unlängst verstorbenen SFCD-Mitbegründers Walter Ernsting, dessen Held seit mehr als 40 Jahren Woche für Woche abenteuerlich durch den Weltraum reist. Doch wohin?

Inzwischen haben einige der großen Verlage ihre einschlägigen Reihen eingestellt, die Zahl der Übersetzungen geht weiter zurück, und auf der Börse dominierten neben Klassikern und Antiquarischem vor allem im Selbstverlag herausgebrachte Titel begeisterter Hobbyautoren. Daß der seit 20Jahren vergebene „Deutsche Science Fiction Preis“ Frank Schätzings bei Kritik wie Publikum erfolgreichem Roman „Der Schwarm“ zugesprochen wurde, kann kaum darüber hinwegtäuschen, daß das Genre der - vorsichtig formuliert - literarisch stets kontrovers diskutierten „Zukunftsromane“ womöglich seine besten Zeiten hinter sich hat.

Und die diversen Podien zu Vergangenheit und Zukunft des SFCD vermochten diesen Eindruck kaum wesentlich zu korrigieren. Vielmehr legten die zahlreichen Lesungen, Diskussionen und nicht zuletzt die fesselnden wissenschaftlichen Vorträge etwa zur Weltraumforschung den Schluß nahe, daß die Gegenwart die Zukunft auf vielen Feldern einfach eingeholt hat. Die Realität erscheint gelegentlich ungleich spannender und faszinierender als die Fiktion. Science-fiction, die schon immer mehr sein wollte als seichte Unterhaltung, könnte von den rasanten wissenschaftlichen Entwicklungen und einer breiten Diskussion über Chancen und Risiken im Grunde nur profitieren. Ob sie dem literarisch gewachsen ist, sich in Zukunft gegen die neuen Medien behaupten kann, steht einstweilen in den Sternen.

Text: F.A.Z.

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