Ausstellung

Kein Wort über John Lennon

Von Michael Hierholzer

Yoko Ono im Portikus

Yoko Ono im Portikus

31. Mai 2005 Es ist schwierig, der eigenen Legende zu entkommen. Sie hoffe, sagt Yoko Ono, das Interesse der Anwesenden gelte der Kunst und nicht den Beatles. In einer Welt voller Gewalt komme es nämlich darauf an, die Energie in etwas Schönes umzuwandeln. Eben Kunst zu machen. Als Mittel gegen den Krieg, gegen alle Konfrontationen. Allein - wer wollte da nicht an „Give Peace a Chance“ denken? An „The Ballad of John and Yoko“, in der beschrieben wird, wie sie und ihr Mann John Lennon sich einst um des Weltfriedens willen in einem riesigen Bett tummelten?

Yoko Ono bleibt in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit stets John Lennons Witwe, ein Teil der Beatles-Saga, eine Gestalt der Pop-Geschichte. Dabei hatte sie schon lange, bevor sie den Beatle kennenlernte, in Tokyo und später in New York am großen Projekt der zweiten Avantgarde mitgewirkt - als eine der wenigen Frauen, die Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre zu einer von John Cage und anderen Avantgarde-Musikern beeinflußten Szene gehörten, Performances und Happenings veranstalteten, Kunst als eine radikale Möglichkeit verstanden, Freiräume zu schaffen.

„Ich war immer eine Außenseiterin im Kunstbetrieb“

Daran knüpft nun ein Vorhaben mit Yoko Ono und Studenten der Städelschule an. Es hat sein Zentrum in einer Ausstellung im Frankfurter Leinwandhaus, dem Ausweichsquartier der Ausstellungshalle Portikus. Dorthin war Yoko Ono gestern gekommen. Mit zwei nervös um sich blickenden Bodyguards und einer leicht hektischen Managerin. Yoko Ono trug den obligatorischen Hut und schaute durch grüne Sonnenbrillen-Gläser.

„Ich war immer eine Außenseiterin im Kunstbetrieb,“ läßt sie die versammelte Presse wissen, „die Kritiker waren nie auf meiner Seite.“ Dadurch habe sie aber auch alle Freiheiten gehabt. 1961 fand die erste Ausstellung ihrer „Instruction Paintings and Drawings“ in der Galerie von George Macunias in New York statt. Sie gab damals in den Räumen des Fluxus-Meisters ein paar einfache Konzepte vor, die von den Besuchern realisiert werden konnten. Als „Fluxus“-Künstlerin will sie sich freilich nicht eingeordnet wissen: „I did it my way.“

Jetzt haben 15 Städelschüler nach Onos „Instructions“ Arbeiten angefertigt, die Anweisungen gelegentlich aber auch zum Anlaß genommen, über sie hinauszugehen oder sie schöpferisch umzudeuten. So hat Mustafa Kunt die Seiten der 1964 unter dem Titel „Grapefruit“ erschienenen Publikation mit Onos Anweisungen auf durchsichtige Folien kopiert und derart übereinandergelagert, daß in der Mitte eine fast schwarze Fläche entsteht. Und Maria Loboda hat die Aufforderung „Watch the sun until it becomes sqare“ in einer Raum-Installation mit zum Teil sonnengelbem Anstrich umgesetzt, die freilich auch auf einen Ausweg verweist: „Prepare yourself to enter the blue room“ heißt die Arbeit.

Kein Wort über John Lennon

Etwas Überraschendes geschieht. Yoko Ono legt selbst Hand an. Setzt einen weißen Punkt auf eine weiße Fläche, dazu eine rote Signatur. Später einen roten Punkt auf eine weiße Fläche, dazu eine weiße Unterschrift. „Add color piece“ nennt sich das Werk. An einem Tisch mit in Scherben geschlagenem Geschirr klebt die Künstlerin einen Teller zusammen. Mit Universalkleber. „Mend Piece“ heißt das. Yoko Ono in Aktion. Das sieht man selten. Denn die 1933 geborene Japanerin ist scheu. Und verläßt Orte schnell, an denen es ihr nicht behagt.

In dieser Kunsthochschul-Atmosphäre jedoch haben die Botschaften von Yoko Ono eine Chance. Nicht zuletzt der einfühlsame Städelschulrektor Daniel Birnbaum sorgt für entspannte Stimmung. Er verliert kein Wort über John Lennon. (Leinwandhaus, Weckmarkt 17. Bis 26. Juni. Geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 bis 18, Mittwoch bis 20 Uhr.)

Text: F.A.Z. / Rhein-Main-Zeitung vom 1. Juni 2005
Bildmaterial: F.A.Z., Daniel Pilar

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