Deutsches Filminstitut

Mit historischen Bildern in die digitale Zukunft

Von Eva-Maria Magel

29. Dezember 2007 „Viel zu tun ist hier ja immer“ sagt Claudia Dillmann. Angestrengt oder gar betrübt allerdings sieht sie dabei nicht aus – im Gegenteil. Die Direktorin des Deutschen Filminstituts, das seit nunmehr zwei Jahren auch das Deutsche Filmmuseum Frankfurt unter seinem Dach beherbergt, kann hochzufrieden sein und voll Tatendrang auf das neue Jahr blicken. Rein geographisch gesehen ist es natürlich umgekehrt: Denn wie schon vor der Vereinigung residiert das Filminstitut, kurz DIF genannt, schon seit langem unter dem Dach derselben Villa am Schaumainkai 41, die das Deutsche Filmmuseum ist. Daran hat sich auch nichts geändert, seit im März 2006 die beiden Institutionen miteinander verbunden wurden.

Was nicht ganz so leicht zu erkennen ist, sind die vielen anderen Institutionen, die durch das Filminstitut und seine Direktorin Sitz am Schaumainkai haben: Die ACE etwa, die „Association des Cinémathèques europénnes“. Die Vereinigung der europäischen Kinematheken hat ihr Sekretariat nicht mehr in Brüssel, sondern in Frankfurt – seit 2004 ist Dillmann nämlich deren Präsidentin. Und weil sie seit Ende 2005 auch in der Beratungsgruppe der „Europäischen Digitalen Bibliothek“ der Kommission der Europäischen Union (EU) tätig ist, erstaunt es eher nicht, dass EU-Kommissarin Viviane Reding jüngst einen Rundgang durch das Filmmuseum und Institut unternommen hat.

Entscheidung zu Millionenprojekt steht an

Es könnte sogar ein sehr gutes Zeichen sein, dass die für Medien und Kommunikation zuständige Kommissarin soviele lobende Worte über die Frankfurter verloren hat. Denn in den nächsten Wochen, spätestens im Februar, entscheidet sich, ob das Filminstitut die Verwaltung des Filmerbes innerhalb der europäischen digitalen Bibliothek, einem Mammutprojekt der EU, betreuen und erarbeiten wird. Rund sechs Millionen Euro soll das Vorhaben kosten, das schon im Juli begonnen werden könnte, wenn das Filminstitut und seine Partner der Zuschlag bekommen.

Ansonsten aber hat sich vieles getan, was unter dem Stichwort Synergieeffekte schon in der Vorbereitung dieser Fusion genannt worden ist. Mit Bedauern mag man etwa jüngst bemerkt haben, dass Günther Kinstler, der langjährige Leiter des Kinderfilmfestivals Lucas, dieses in Zukunft nicht mehr leiten wird – das renommierte Festival, das unter Kinstler wieder zum jährlichen Turnus mit deutlich erweitertem Programm zurückgekehrt ist, wird nun von hausinternen Kräften unter der Leitung von Petra Kappler, die seit zwei Jahren im Filmmuseum tätig ist, veranstaltet. Die noch engere Vernetzung aller Abteilungen des Hauses hält Dillmann auch in Zukunft für essentiell: „Wenn das Haus lebendig sein soll, müssen alle mit allen arbeiten“.

Filmarchiv nach Wiesbaden

Die wechselseitige Befruchtung und das Rückgrat der beiden nunmehr vereinigten Institutionen, die Archive, in den Mittelpunkt zu stellen, ist Anliegen unter anderem der nun etablierten Reihe „Klassiker und Raritäten“. Dreimal in der Woche präsentieren Mitarbeiter, was die vereinten Archive an Schätzen zu bieten haben – derzeit sind darunter auch zahlreiche Filme, für die in den sechziger Jahren die Gestalter der Schau „Film Kunst Graphik“ Plakate entworfen haben.

Synergieeffekte und Vernetzung – ein Thema, das auch 2008 die Arbeit in DIF und Filmmuseum prägen wird. Unter anderem soll das gesamte, derzeit noch verstreute Filmarchiv nach Wiesbaden umziehen, eine andere „Baustelle“ werde die rund 2,6 Millionen Objekte umfassende gemeinsame Fotosammlung der beiden Häuser, so Dillmann. Schon allein damit habe man ein gutes Jahr zu tun. Ganz abgesehen davon, dass ein Projektteam 2008 die bereits konzipierte neue Dauerausstellung, die seit jahren ein mindestens ebenso dauerhaftes wie unerfülltes Wunschprojekt des Hauses ist, vorantreiben soll. Erste Sponsorenzusagen gibt es, um die sich vor allem der ehemalige Kulturdezernent und jetzige Verwaltungsratvorsitzende des DIF, Hilmar Hoffmann, bemüht.

Online-Projekt vor dem Aufbau

Dass ausgerechnet die Kommissarin für Informationspolitik und Medien der Europäischen Union (EU), Viviane Reding, dem Deutschen Filminstitut (DIF) in Frankfurt am Freitag einen Besuch abstattete, hat gute Gründe: Sitzt doch dessen Direktorin Claudia Dillmann als Präsidentin dem Verband europäischer Filmarchive vor und ist damit auch Mitglied im Vorstand der Stiftung "Europäische Digitale Bibliothek". Und da Reding mit Lob offenbar nicht gegeizt hat, steht zu erwarten, dass dieses Online-Projekt nun bald aufgebaut wird - vermutlich unter deutlicher deutscher Beteiligung. Das DIF hat einige Erfahrung mit Netzwerken und digitalen Archiven: Die Internetplattform filmarchives-online wird von Frankfurt aus betrieben und soll 2008 auf 14 Archive in elf Ländern ausgebaut werden. Auch ein europäisches Filmportal, ähnlich dem deutschen unter www.filmportal.de, bereitet das DIF schon vor.

Das erst unlängst in Berlin ein Kongress auch die ungeheure Bedeutung der Museen als Forschungsort hervorhob, zeigt, dass auch die Frankfurter Filmfachleute die Zeichen der Zeit offenbar richtig deuten, wenn sie aus der Stärk der Arbeit hinter den Kulissen öffentlichkeitswirksame Projekte generieren möchten.



Text: F.A.Z.

 
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