03. September 2007 Der Frankfurter Schriftsteller Wilhelm Genazino (Liebesblödigkeit), einer der großen deutschen Romanciers der Gegenwart, erhält den Kleist-Preis 2007. Genazino wurde von dem Schauspieler Ulrich Matthes, den die Jury der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft zum Vertrauensmann gewählt hatte, als Preisträger bestimmt. Das teilte die Gesellschaft mit. Der 1943 in Mannheim geborene Genazino, der 2004 bereits den Büchner-Preis erhielt, gehört nach Ansicht vieler Kritiker zu den stärksten deutschen Erzählern. Der mit 20.000 Euro dotierte Preis wird am 25. November in Berlin übergeben.
Der 64-jährige Schriftsteller, der als Journalist begann und früher bei der jetzt eingestellten Satirezeitschrift Pardon arbeitete, hat sich vor allem als ironischer Chronist und genauer Beobachter des bundesdeutschen Alltags einen Namen gemacht. Sein besonderes Interesse galt dabei der Angestelltenwelt mit ihren Anti-Helden und meist unpolitischen Sonderlingen. Kritiker lobten dabei oft seine Gratwanderung zwischen Schmerz, Melancholie, Ironie und der Freude am Augenblick des Beobachtens.
Auf den Spuren von Brecht, Musil und Kehlmann
1977 erschien der erste Band seiner Abschaffel-Trilogie über das trostlose Leben eines Frankfurter Angestellten, mit der Genazino einem größeren Leserkreis bekannt wurde. In seinen Reden, Essays und Aufsätzen mischt sich Genazino auch in aktuelle gesellschaftspolitische Debatten ein, zur offiziellen Kulturpolitik ebenso wie zur ausländerfeindlichen Gewalt. Vor allem aber gehört seine Zuneigung immer wieder den Gestrandeten, Verrückten und Verlierern der Gesellschaft, wie es in einer Rezension hieß.
Nach 2000 erschienen die Romane Ein Regenschirm für diesen Tag, Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman (2003) und Die Liebesblödigkeit (2005). Zuletzt wurde Genazino mit dem Corine-Belletristik Preis 2007 für seinen in diesem Jahr erschienenen Roman Mittelmäßiges Heimweh ausgezeichnet. Die Laudatio am 25. November im Berliner Ensemble hält Ulrich Matthes. Frühere Preisträger waren unter anderem Bertolt Brecht, Robert Musil, Heiner Müller, Alexander Kluge und Daniel Kehlmann.
Text: FAZ.NET mit lhe
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