Nacht der Museen

Initiation mit Fußball und Liebe

Von Anton Jakob Weinberger

22. März 2008 „Wir / Sahen dich erstmals, Lieblicher, gegen Stuttgart, – und das Herz war bezaubert, verzaubert bald / Gar.“ Eckhard Henscheid verlieh vor fast dreißig Jahren dem damaligen koreanischen Mittelstürmer der Eintracht Frankfurt, Bum Kun Cha, in einer Hymne die literarische Weihe. Bei der diesjährigen „Nacht der Museen“ soll Frankfurts Lieblingsverein kulturelle Respektabilität erlangen – Offenbach setzt auf „Liebe und Erotik“.

Für den Frankfurter Kulturdezernenten Felix Semmelroth (CDU) zählt das im vorigen Dezember eröffnete „Eintracht Frankfurt Museum“ zu den Höhepunkten des Programms der mittlerweile neunten „Nacht der Museen“, die am 26. April in Frankfurt und Offenbach gemeinsam stattfindet. Spielerlegenden wie Grabowski, Hölzenbein oder Lindner als Gewährsleute anzukündigen, machte Semmelroth sichtlich Freude, zumal er das Programm der Museumsnacht erstmals in Offenbach vorstellte. Oberbürgermeister und „Kickers“-Fan Horst Schneider (SPD) nutzte sogleich die Gelegenheit zum Konter und bot dem Eintracht-Museum den Offenbacher Fußballhelden Hermann Nuber als nächtlichen Gesprächspartner an.

Tickets kosten einen Euro mehr als im Vorjahr

Bei der diesjährigen Nacht der Museen können die Besucher von 19 Uhr an und bis weit nach Mitternacht fast fünfzig Museen, Galerien und Ausstellungsräume in Frankfurt und Offenbach besichtigen. Das wird zwar einen Euro mehr kosten als in den vergangenen sechs Jahren, doch Semmelroth hält die Erhöhung des Eintrittspreises auf 12 Euro für „überfällig“. Auch sei es angesicht von rund 200 Programmpunkten gerechtfertigt. Semmelroth, der die Nacht der Museen als „eine Art von Initiation für jüngere Menschen“ sieht, die Museen sonst eher meiden, erwartet genauso viele Besucher wie im Vorjahr, etwa 40.000 Leute.

Aus dem reichen Angebot hob Semmelroth nicht nur die Eintracht hervor: Vom Deutschen Albert-Schweitzer-Zentrum über den Zoologischen Garten bis zu den Präsentationen japanischer Kunst und Architekturvisionen im Zeichen von „Mangamania“ im Deutschen Filmmuseum, Deutschen Architekturmuseum und Museum für angewandte Kunst reichen die beteiligten Institutionen. Von besonderer Bedeutung ist für Semmelroth zudem die Ausstellung des Museums Judengasse zum 100. Geburtstag des „Judenretters“ Oskar Schindler.

Erotik in Offenbach

Außerdem lädt der Hauptsponsor der Museumsnacht, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft „Ernst & Young“, wieder zu einer Benefiz-Auktion mit Werken von Frankfurter Städelschülern und Studenten der Offenbacher Hochschule für Gestaltung ins Museum für Angewandte Kunst ein. Die Deutsche Börse will Neuerwerbungen ihrer Sammlung zeitgenössischer Fotografie vorstellen.

Offenbach konzentriert sich bei den Präsentationen ganz auf Erotik und Liebe: Das Deutsche Ledermuseum zeigt die Schau „Macht Leder Lust“, von der Ledermontur der Harley-Fahrer bis zum Dress der Domina. Im Klingspor-Museum schreiben Tanja Leonhardt und Stefan Kindel erotische Liebesgedichte auf die Haut. Mit Lesungen und Kammermusik erinnert das Haus der Stadtgeschichte aus Anlass ihres 250. Geburtstags an Lili Schönemann, Goethes erster Verlobter, und an beider Romanze, die sie 1775 in Offenbach zusammenführte.

Informationen im Internet unter www.nacht-der-museen.de.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Franz Bischof

 

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